Filmkritik: TRANSFORMERS 4: ÄRA DES UNTERGANGS

NULL PUNKTE

Transformers 4: Noch mehr ist noch weniger

 

 

Die Selbstsicherheit, mit der Michael Bay eine zweizeilige Storyline auf 165 Minuten mit seinen bekannten Stilmitteln wie Low Angle und komplexen Bewegungsabläufe vor und mit der Kamera aufbläst und jede einzelne Einstellung dynamisiert, entspricht einer Chipspackung, die zu 99 Prozent mit heißer Luft gefüllt ist. Ich hatte das Gefühl, würde ich mit einer Nadel ein winziges Loch in die Leinwand stechen, würde Optimus Prime sogleich in sich zusammensacken.

Und ganz ehrlich, ich habe den Film nicht verstanden. So routiniert und undifferenziert wie Michael Bay die Schauplätze wechselt und eine Metallorgie an die nächste reiht, ladet Transformers 4 oft ein in Gedanken abzuschweifen und im mentalen Notizblock diese Kritik zu verfassen. Die augenscheinlich zahlkräftige Zielgruppe sind 14-jährige Nachwuchs-Republikaner, die gerne ihre Flagge im Wind wehen sehen und für die der Film vielleicht sogar Sinn ergibt. Ein ähnliches Problem ergab sich vor vielen Jahren, als der Tonfilm in den Kinderschuhen steckte.

1930 beschrieb Béla Balázs über eine neue Sprache des Kinos: eine neue Ausdrucks- und Mitteilungstechnik, die sich in wenigen Jahren unheimlich verkompliziert hat. Kinogeher hätten das kinematografische Geschichtenerzählen über die Jahre hinweg erlernt, während viel Klügere die Filme plötzlich nicht mehr verstanden. Seitdem haben sich internationale Filmemacher auf gängige Erzählformen im Kino geeinigt und was macht Michael Bay mit seinem globalen Ungetüm? Er bedient sich einer monotonen wie sündhaften teuren Sprache, die sich wieder auf die Anfänge des Kinos besinnt, als Komplexität in filmische Geschichten erst Einzug erhalten musste und das Dargestellte viel wichtiger war, als das Erzählte oder gar dessen Zusammenhang. Bay unterscheidet nicht zwischen den wenigen relevanten und komplett nichtigen Szenen in seiner extrafein aufpolierten Zerschrottungssorgie, wie sie nicht mal der Man of Steel hinbekommen würde. Jedem noch so rückständigen Hotpants-Shot durch die nackten Beine der sexualisierten, minderjährigen Tochter hinweg (während ihre Beziehung mit einem 20-Jährigen zur Gänze entsexualisiert wird) wird die gleiche Liebe entgegengebracht wie jeder Transformierung, jeder unpassenden Slapstick-Einlage und jedem der verdammten, gefühlt tausenden Sonnenuntergänge.

Natürlich ist Bay nicht der einzige, der sich kostspieliger Inhaltsleere bedient, jedoch hebt er sie mit Transformers 4: Ära des Untergangs auf ein komplett neues Level. Ende der 1920er Jahre zog Béla Balazs Bilanz, was der Tonfilm Neues ermöglicht und dass es nicht auf die Werke, sondern auf den Menschen ankommt. Nicht alles – so auch der Stummfilm damals – müsse bis an die Endstation fahren. Wir alle wechseln den Zug. Bitte umsteigen! Im Angesicht des finanziellen Erfolgs des einmaligen Films Transformers 4 ist es wohl Zeit, in einen pompös ausgestatteten, neuen Zug zu steigen, der leider in die falsche Richtung fährt.

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Media Monday #42

1. Der beste Film mit Stanley Tucci ist für michganz eindeutig „Lucky # Slevin“, da sich dieser unter mein absoluten Lieblings filmen befindet. Auf Platz zwei steht „Road to Perdition“. Diese Filme würden jedoch auch ohne Tucci zurecht kommen. Sein großartiges schauspielerisches Talent und seine Vielseitig vom schwulen Schneider zum Kinder-Mörder zeigt er beispielsweise in „Der Teufel trägt Prada“, „The Hunger Games“ und „In meinem Himmel“.

2. Roland Emmerich hat mit „2012“ seine beste Regiearbeit abgelegt, weil er die Welt wie kein Zweiter so eindrücklich und charmant untergehen lassen kann.

3. Der beste Film mit Audrey Tautou ist für mich „Die fabelhafte Welt der Amelie“, was zugleich an ihren traumhaften Rehaugen und dem großartigen Drehbuch liegt. Morgen seh ich „Nathalie Küsst“ bei der Premiere des Film Festival Francophone, bin gespannt, was sie da zu bieten hat!

4. Wie findet ihr es, wenn bekannte Filmschauspieler plötzlich im Serienfach auftauchen und vor allem, wertet das diese Serien eurer Meinung nach auf oder hat das keinen Einfluss? Ich finde es toll, bekannte Schauspieler auf ihre Fähigkeit als Seriendarsteller zu überprüfen. Beispielsweise bei „CSI“ ging es mit Laurence Fishburne total schief, was jedoch an der für ihn geschriebenen Rolle lag. Er konnte sich nicht so recht in das bestehende Team einfügen. Positive Beispiele wären Sean Bean in „Game of Thrones“ oder Chris O’Donnell in „Navy CIS L.A“. An absolut obserster Stelle steht für mich Julia Stiles Auftritt in „Dexter“.

5. Filme, bei denen in den letzten fünf bis zehn Minuten vor Schluss alles über den Haufen geworfen wird, was man zuvor gesehen hat sind meist ebenso genial wie verwirrend. Ich liebe „Mulholland Drive“, „The Sixth Sense“ oder „The Hole“ (2001). Wenn der Twist jedoch nicht subtil genug angegangen wird, dann wirkt er viel zu konstruiert.

6. Im Grunde ist Christian Bale einer meiner liebsten Schauspieler, aber „Terminator: Salvation“ mit ihm war wirklich enttäuschend, denn ich hatte mir einen weiteren Teil mit Witz und Charme erwartet und kein flaches Kriegs-Drama .

7. Mein zuletzt gesehener Film war „Ein Quantum Trost“ und der war okay, weil er zwar bei weitem nicht so gut ist wie sein Vorgänger „Casino Royal“, aber dennoch eine spannende Geschichte und einen schnittigen Bond bietet.

eureandreawoeger