Filmkritik: THE VOW – Für immer Liebe (USA 2012)

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INHALT

Die wahre Geschichte der Familie Carpenter erzählt von Paige und Leo, einem frisch verheirateten und schwer verliebten Traumpaar. Sie können ihr Glück kaum fassen einander gefunden zu haben und versprechen sich ewige Treue. Doch nach einem Autounfall erwacht Paige aus dem Koma und kann sich an die letzten Jahre nicht mehr erinnern – auch nicht an ihren Mann Leo. Dieser versucht fortan nichts unversucht, um das Herz seiner Frau wieder aufs Neue zu erobern. Doch für sie ist ihr Ehemann bloß ein Fremder. Und da er nicht einmal ihre Eltern kennt, welche nun Paiges einziger Anhaltspunkt sind, wird die Rückeroberung umso schwieriger. Sie fühlt sich wieder als Jus-Studentin, welche mit Jeremy verlobt war, bevor sie Künstlerin wurde, in die Stadt zog und Leo kennenlernte…

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REVIEW

Kleinigkeiten entscheiden unser Leben, heißt es immer. Doch in Paiges und Leos Fall war es ein großer schicksalshafter Einschnitt in ihr gemeinsames Zusammenleben, welcher die Dinge für immer änderte. Oder eben doch nicht?

Eine unglaubliche Geschichte, so absurd und doch könnte sie jederzeit jedem zustoßen. Was, wenn sich dein wichtigster Mitmensch plötzlich nicht mehr an dich erinnert? Würdest du wissen, wie du das Herz deines Seelenverwandten wiedergewinnst? Und würdest du alles geben? Diese epischen und identifikationsschwangeren Fragen überzeugten Produzent Jonathan Glickman die wahre Geschichte von den Carpenters als Liebesdrama auf die Leinwand zu bringen. Universale Themen wie die wahre Liebe, Schmerz, Trennung und das Schicksal, trotz allem zueinander zu finden, waren immer schon wichtigster Teil der ganz großen Liebesgeschichten. Seien es nun Jack und Rose auf der TITANIC oder Jenny Curran und FORREST GUMP. Doch es sollte aus dem dramatischen Stoff kein Melodrama entstehen, und gelungen ist Regisseur Sucsy tatsächlich ein herzzerreißend ehrliches und von Channing Tatum und Rachel McAdams feinfühlig dargestelltes Liebesdrama, die trotz aller Gemeinsamkeiten mit anderen epischen Liebesgeschichten dennoch ihresgleichen sucht und etwas Besonderes bleibt.

Eine quirlige Schauspielerin, bekannt für ihre – von den großen Liebesfilmen der letzten Jahre geprägte – Rollenauswahl. Rachel McAdams wartete an der Seite von Eric Bana als THE TIME TRAVELER’S WIFE geduldig auf ihren Ehemann, dass er aus der Vergangenheit und Zukunft noch einmal zu ihr findet. Als Owen Wilsons reiche Verlobte konnte sie in Woody Allens MIDNIGHT IN PARIS dann auch einmal die Rolle der unsympathischen Zicke einnehmen und neben Ryan Gosling mimte sie in THE NOTEBOOK ebenfalls eine Tochter aus wohlhabendem Haus, die trotz allen Hindernissen immer wieder zu ihrem Seelenverwandten zurückfindet. Und selbst das in ihren späten Jahren ausgebrochene Alzheimer (auch hier war Gedächtnisverlust ein großes Thema) kann die beiden nicht voneinander trennen. Wie in all diesen Filmen, weiß McAdams auch in THE VOW Charme und Authentizität zu ihren Gunsten und für eine überzeugende Charakterverkörperung zu nutzen.

Ein ehemaliger Stripper und auch guter Schauspieler zu sein, das können nicht alle Hollywood-Aufsteiger von sich behaupten. Channing Tatum, bald in seinem Gogo-Element in MAGIC MIKE zu sehen, kann es sehr wohl! Auch er liefert in dem Liebesdrama eine breite Gefühlspalette an überschwänglichen und zurückhaltenden Emotionen. Für Paiges Eltern wurde an großen Talenten ebenfalls nicht gespart. BIG FISH-Darstellerin Jessica Lang und JURASSIC PARK-Forscher Sam Neill mimen die Upper-Class-Eltern, welche sich vorerst hinter seinem Rücken und dann doch klar gegenüber Leo gegen ihn aussprechen. In dieser Geschichte bleiben sie bei ihrem eigenen Nebenplot jedoch außen vor und nur Fassade. Das Drehbuch lässt sie leider keine Dynamik entwickeln, weder zu ihrer Tochter, noch zueinander. Etwas mehr Interaktion der einzelnen Figuren hätte die Komplexität der Geschichte und sicher auch das Niveau des Films noch weiter gehoben.

Ein verzweifelter Ehemann, der wirklich alles versucht, seine Frau zurückzugewinnen. Doch ihre Erinnerungen wollten einfach nicht wiederkommen. Krickitt Carpenter, auf deren reale Erlebnisse THE VOW beruht, meinte, das Leben sei voller Höhen und Tiefen und Herausforderungen, doch man solle sich bitteschön am Riemen reißen und das Beste, was man hat und ist, geben. Und genau diese Einstellung kann das Drama vermitteln. Es wird ohne überquellenden Kitsch und mit einfühlsamer Darstellung ein Paar vermittelt, das alles gäbe, um wieder vereint sein zu können. Doch da es für solch eine Ausnahmesituation kein Heilungsrezept gibt, muss das Leck an Vertrauen mit liebevollen Ideen, großen Gefühlen und totaler Verausgabung kompensiert werden. Und das wiederum fordert ein immens großes Taschentuchkontingent im Zuseherraum!

Fazit:
THE VOW – FÜR IMMER LIEBE ist ein einfühlsam erzählter Liebesfilm, welche durch ein perfektes Casting der Hauptdarsteller McAdams und Tatum zusätzliche Tiefe erlangt. Nur leicht skizziert hingegen werden all die Nebendarsteller und sehen neben den großen Gefühlen ihrer Kollegen weit im Abseits. Alle Fans epischer Liebesgeschichten können sich also auf zwei unvergesslich intensive Stunden freuen. Und auch Freunde guter Dramen kommen auf ihre Kosten, da sich die feinfühlige Geschichte nicht auf ausschweifende Liebesgeständnisse, sondern kleine Momente besinnt. Und auf Kleinigkeiten kommt es ja bekanntlich an.

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Filmkritik: CODEPENDENT LESBIAN SPACE ALIEN SEEKS SAME (USA 2011)

INHALT

Die glatzköpfigen Alienfrauen Zylar, Zoinx und Brann werden auf befristete Zeit von ihrem Heimatplaneten auf die Erde verbannt, da ihre unkontrollierten Emotionen dort die Ozonschicht gefährden. Weil die Debatte gar nicht erst aufkommt, ob die Erde wirklich so ein schlechter Ort sei, haben die drei den Auftrag sich ins Liebesleben zu stürzen, sich das Herz brechen zu lassen und „geheilt“ wieder nach Hause zurückzukehren. Während Zylar und Brann vorerst ihre Schwierigkeiten mit der menschlichen Rasse zu haben scheinen, lernt Zoinx die schüchterne Schreibwaren-Verkäuferin Jane kennen. Ohne zu wissen, dass sie dabei von zwei FBI-Agenten beobachtet wird, lässt sich Jane auf diese Liebesbeziehung mit der seltsam anmutenden Zoinx ein.

REVIEW

Mit dem unvergleichlichen Titel CODEPENDENT LESBIAN SPACE ALIEN SEEKS SAME reiht sich Madeleine Olnek mit ihrer absurd-romantischen Alien-Komödie 2011 in eine Reihe von Filmen aus dem Golden Age des Science-Fiction-Trash ein. In diesen besagten 1950er und 60er Jahren prangerten keine geringeren Buchstabenkonstellationen vor den Kinos als CAT-WOMAN OF THE MOON oder ATTACK OF THE GIANT LEECHES. Filmtitel à la HERCULES AGAINST THE MOON MEN waren gang und gäbe. Doch so einfallsreich die Verpackung auch aussah, so schlecht war der Inhalt und die Umsetzung dieser Kultstreifen. Ein Manko, dass Olneks Space-Alien nicht aufweisen. Als Parodie gedacht, verwendet die Regisseurin scheinbar nebenher gebastelte Mini-Raumschiffattrappen, einfache Alien-Kleidung der alten Schule und lässt das Filmbild zu dieser interplanetaren Romanze in schwarz-weiß erstrahlen. Spätestens als Alienfrau Zoinx die schüchterne Schreibwaren-Verkäuferin Jane kennenlernt, wird Madeleine Olneks Hommage an die besten und schlechtesten (Frauen)Liebesgeschichten aller Zeiten ersichtlich und erinnert dabei an EARTH GIRLS ARE EASY.

Bevor die Regisseurin, Produzentin und Autorin Olnek einige Nominierungen und Preise für ihre beiden Kurzfilme HOLD UP und COUNTERTRANSFERENCE abräumte, war sie am Theater beschäftigt. Einige Crew-Mitglieder ihres ersten Spielfilms CODEPENDENT LESBIAN SPACE ALIEN SEEKS SAME kannte sie aus dieser Bühnenzeit. Der dicklich naive „Men in Black“ Dennis Davis, so wie die Hauptdarstellerin Lisa Haas in ihrer Rolle als eingeschüchterte Alien-Verehrerin stehen nach zahlreichen Bühnenstücken zum ersten Mal für einen Spielfilm vor der Kamera. Beide liefern eine erstaunlich sympathische und authentische Performance. Dabei fungieren sie als passender Ruhepol und ausgleichendes Gegenstück zu den kratzig-quietschenden Alien-Darstellerinnen Susan Ziegler, Jackie Monahan und Cynthia Kaplan. Die etwas zu schrill geratene Stimme der Raumfahrerinnen scheint, ob gewollt oder nicht gewollt, einer von wenigen Kritikpunkten zu sein. Doch wie spielt man eine autarke Alienfrau, die nur mit Liebeskummer wieder auf ihren Heimatplaneten zurückkehren darf? Mit viel Herz und viel Humor scheint die Antwort zu lauten. Unter den Erdlingen wandelnd werden die glatzköpfigen Frauen als „Rollenspieler“ und Freaks abgestempelt. Doch Protagonistin Jane weiß, dass hinter der schroffen und blassen Visage mehr steckt, als ein kostümierter Nerd. Und so entwickelt sich zwischen den beiden Außenseitern nicht nur eine außergewöhnliche Freundschaft, sondern Liebe. Während Zoinx in Jane nun eine angehende Herzensbrecherin gefunden zu haben glaubt, müssen sich Zylar und Brann weiterhin in den nicht enden wollenden Dating-Dschungel stürzen, um hoffentlich bald Miss Perfect in die Arme schließen zu dürfen. Doch was, wenn sich die Richtige nicht auf der Erde befindet? Vielleicht könnte man sich ja dann durch das Versetzen in traurige, selbstvergessene Momente mit verlorenem Blick auf das weite Meer selbst das Herz brechen? Platt, aber liebevoll geht Olnek diesen Fragen nach und überlegt sich auf ganz eigene und groteske Weise ein Portrait von Verliebten am Rande der Gesellschaft.

Die drei lesbischen Frauen aus dem All produzieren durch die groteske Selbstverständlichkeit und Selbstsicherheit, mit der sie an alltägliche Situationen herangehen, einen regelrechten Pointen-Dschungel. Sie produzieren Geschichten, die sich über den Rand der Komik hinaus wagen und aus den grotesken Sci-Fi-Elementen ihre Stärke beziehen. Diese Situationskomik wird ausgelöst durch sympathisches Unverständnis für die Gedanken- und Gefühlswelt der Space-Aliens. Egal, ob sie nach „hot earthling-on-alien-action“ verlangen, sich in einem hippen Video-Blog-Eintrag präsentieren oder eine Tanz-Szene in ein Feuerwerk an Lachern verwandeln, die mit unseren Erinnerungen an PULP FICTION’s Rabbit Slims Twistkontest allemal konkurrieren können. Madeleine Olnek formt hier aus einem Film, beginnend mit imposanter Musik, drittklassigen Weltraumaufnahmen und einer trashigen Schrift – lautend CODEPENDENT LESBIAN SPACE ALIAN SEEKS SAME – eine Studie von Außenseitern und ihren charmant gespielten Eigenheiten. Vielen Großaufnahmen von Charaktergesichtern stehen objektive, stille Einstellungen gegenüber. Olnek motiviert abwechselnd zum herzhaften Mitlachen und Mitdenken. Nach Slapstick-Elementen werden die Zuseher von den beiden Agents, welche das Pärchen Jane und Zoinx unter Beobachtung haben, auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Ihre pseudo-philosophischen Diskussionen und Erzählungen geben dem Film einen intimen Touch. Doch mehr dieser köstlichen Alien-Absurditäten und weniger FBI-Konversation hätten manchen Spannungslecks zwischendurch sicher entgegengewirkt.

Fazit:
CODEPENDENT LESBIAN SPACE ALIEN SEEKS SAME ist weniger Science-Fiction-Kult, als eine Slapstick-Komödie und weniger Queer-Cinema, als eine überzeichnete, aber ehrliche Ode an die Liebe. SANTA CLAUS CONQUERS THE MARTIANS und JESSE JAMES MEETS FRANKENSTEIN’S DAUGHTER haben ausgedient. Denn ein neuer Star erstrahlt am Himmel des wohl bekömmlichen Trash-Kinos und lässt uns mit dem Gedanken zurück, dass ein nicht zu habender Käsekuchen allemal trauriger ist, als jede noch so einsam-melancholische Selbstreflexion.

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