OSCARS 2013 – SILVER LININGS (USA 2012)

vierstern

INHALT

Das Leben verläuft nicht immer nach Plan… Pat Solatano (Bradley Cooper, Oscar-Nominierung als Bester Hauptdarsteller) hat alles verloren: sein Haus, seinen Job und seine Frau. Und so findet er sich, nachdem er gerade auf gerichtliche Anweisung acht Monate in einer psychiatrischen Anstalt verbracht hat, plötzlich zuhause bei Mutter (Jacki Weaver, Oscar-Nominierung als Beste Nebendarstellerin) und Vater (Robert De Niro, Oscar-Nominierung als Bester Nebendarsteller) wieder. Pat ist fest entschlossen, positiv zu denken und damit sein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen und seine Frau zurückzuerobern. Doch dann lernt Pat die rätselhafte Tiffany (Jennifer Lawrence, Oscar-Nominierung als Beste Hauptdarstellerin) kennen und alles beginnt sich erneut zu verkomplizieren… denn Tiffany bietet ihm ihre Hilfe bei der Rückeroberung seiner Frau an. Einzige Bedingung: ein Tanzkurs. Im Zuge ihres ungewöhnlichen Deals kommen sich die beiden auf überraschende Weise näher – und plötzlich tun sich am Horizont unerwartete Silberstreifen auf…

KRITIK

Regisseur David O. Russell verfällt der romantischen Mainstream-Komödie und prompt hagelt es zahlreiche Auszeichnungen und nicht zuletzt eine Oscar-Nominierung für die „Big Five“, was zuletzt Clint Eastwoods MILLION DOLLAR BABY 2004 geschafft hat. Denn nicht nur sind die beiden Hauptdarsteller Bradley Cooper und Jennifer Lawrence für den Oscar nominiert, auch eine Nominierung für Bester Film, Beste Regie und Bestes Original-Drehbuch hält SILVER LININGS inne. Regisseur Russel, der gemeinsam mit Matthew Quick das Skript zum Film verfasste, schuf eine bezaubernde Romanze, die jedoch nur noch in wenigen Charakterzügen an seine vormals grotesk-amüsanten Werke wie I HEART HUCKABEES und THREE KINGS erinnert, aber dennoch genügend Raffinesse aufweist um aufzufallen und zu begeistern.

Dass Jennifer Lawrence ein großes Schauspieltalent hat, bewies sie bereits in WINTER’S BONE als White-Trash-Tochter auf Vatersuche, welche Rolle ihr ebenfalls eine Oscar-Nominierung einbrachte. In SILVER LINGINGS darf sie eine mysteriöse, aber äußerst junge, aber liebenswerte Polizistenwitwe verkörpern, deren Sexleben nach dem Tod ihres Mannes etwas aus dem Ruder gelaufen ist. Rein darstellerisch dominieren diesen Film die Frauen. Lawrence zeigt sich hinreißend verletzlich als Highlight der Romanze neben Jacki Weaver – hier als zurückhaltende Stütze in Robert De Niros abergläubischem Football-Wett-Wahn, und Julia Stiles – nervtötende Schwester mit Baby und entmanntem Gatten. Zwischen all diesem Wahnsinn hält Bradley Coopers Charakter des aufbrausenden Pat mit manisch-depressiver Störung fest an seinem Plan des Silberstreifs am Horizont, flucht auf Hemingway Pessimismus und sieht vor lauter Ex-Frau den Neuanfang nicht mehr.

Jeder der Charaktere hat seine präzise inszenierten Stärken und Schwächen. Während sich die Story witzig, aber ohne Überraschungen entwickelt, bleibt im Nachhinein ein gutes Gefühl und eine unvergessliche unterhaltsame Tanzszene, wie sie zuletzt in LITTLE MISS SUNSHINE oder PULP FICTION amüsierte. Doch auch die sonderlichsten und gelungensten Charaktere, die das Können ihrer Darsteller aufzeigen und ausreizen, können nicht über die klassische Geschichte der Liebeskomödie hinwegtäuschen, welche ab und an Spannung herausnimmt, wo sie von den Charakteren und ihrem Mit- und Gegeneinander aufgebaut wurde.

Fazit:
SILVER LININGS ist ein Feel-Good-Movie nach Erfolgsrezept. David O. Russell schafft mit dieser romantischen Komödie erneut schräge Charaktere, welche nicht in der etwas konstruiert wirkenden Geschichte, sondern im Zusammenspiel ihrer Darsteller glänzen. Liebenswerte und fehlerhafte Menschen müssen in neue Rollen hineinwachsen inmitten der Selbst- und Freundschaftsfindung. Football und Tanz gehen hier ebenso Hand in Hand wie die sexy Witwe und der manisch-depressive Optimist, welche gemeinsam zwischen desaströsen und hoffnungsvollen Aktionen balancieren und begeistern.

Media Monday #42

1. Der beste Film mit Stanley Tucci ist für michganz eindeutig „Lucky # Slevin“, da sich dieser unter mein absoluten Lieblings filmen befindet. Auf Platz zwei steht „Road to Perdition“. Diese Filme würden jedoch auch ohne Tucci zurecht kommen. Sein großartiges schauspielerisches Talent und seine Vielseitig vom schwulen Schneider zum Kinder-Mörder zeigt er beispielsweise in „Der Teufel trägt Prada“, „The Hunger Games“ und „In meinem Himmel“.

2. Roland Emmerich hat mit „2012“ seine beste Regiearbeit abgelegt, weil er die Welt wie kein Zweiter so eindrücklich und charmant untergehen lassen kann.

3. Der beste Film mit Audrey Tautou ist für mich „Die fabelhafte Welt der Amelie“, was zugleich an ihren traumhaften Rehaugen und dem großartigen Drehbuch liegt. Morgen seh ich „Nathalie Küsst“ bei der Premiere des Film Festival Francophone, bin gespannt, was sie da zu bieten hat!

4. Wie findet ihr es, wenn bekannte Filmschauspieler plötzlich im Serienfach auftauchen und vor allem, wertet das diese Serien eurer Meinung nach auf oder hat das keinen Einfluss? Ich finde es toll, bekannte Schauspieler auf ihre Fähigkeit als Seriendarsteller zu überprüfen. Beispielsweise bei „CSI“ ging es mit Laurence Fishburne total schief, was jedoch an der für ihn geschriebenen Rolle lag. Er konnte sich nicht so recht in das bestehende Team einfügen. Positive Beispiele wären Sean Bean in „Game of Thrones“ oder Chris O’Donnell in „Navy CIS L.A“. An absolut obserster Stelle steht für mich Julia Stiles Auftritt in „Dexter“.

5. Filme, bei denen in den letzten fünf bis zehn Minuten vor Schluss alles über den Haufen geworfen wird, was man zuvor gesehen hat sind meist ebenso genial wie verwirrend. Ich liebe „Mulholland Drive“, „The Sixth Sense“ oder „The Hole“ (2001). Wenn der Twist jedoch nicht subtil genug angegangen wird, dann wirkt er viel zu konstruiert.

6. Im Grunde ist Christian Bale einer meiner liebsten Schauspieler, aber „Terminator: Salvation“ mit ihm war wirklich enttäuschend, denn ich hatte mir einen weiteren Teil mit Witz und Charme erwartet und kein flaches Kriegs-Drama .

7. Mein zuletzt gesehener Film war „Ein Quantum Trost“ und der war okay, weil er zwar bei weitem nicht so gut ist wie sein Vorgänger „Casino Royal“, aber dennoch eine spannende Geschichte und einen schnittigen Bond bietet.

eureandreawoeger