Filmkritik: THE DARK KNIGHT RISES (USA 2012)

INHALT

Vor acht Jahren ist Batman in die Nacht verschwunden – seit diesem Moment befindet sich der Held auf der Flucht. Der Dunkle Ritter nahm die Schuld am Tod von Staatsanwalt Harvey Dent auf sich und opferte sich so für die gute Sache, der er sich zusammen mit Commissioner Gordon verschrieben hat. Eine Zeit lang hat diese Lüge funktioniert: Dents neu eingebrachtes Gesetz sorgte dafür, dass die Kriminalitätsraten in Gotham City deutlich sanken. Aber das ändert sich plötzlich radikal, als eine gerissene, katzenhafte Einbrecherin ihre undurchsichtigen Pläne zu verwirklichen beginnt. Weitaus gefährlicher ist allerdings der maskierte Terrorist Bane: Mit seinem skrupellosen Vorgehen bringt er Bruce dazu, sein selbstgewähltes Exil aufzugeben. Doch selbst als er wieder zu Cape und Maske greift, scheint der Dunkle Ritter Bane unterlegen.

REVIEW

Spider-Man zurück in die Krabbelstube, Avengers ab in den Kindergarten! Hier kommt der dunkle Ritter in seinem epischen Finale und es ist länger, wuchtiger und brutaler wie seine Vorgänger. Dass das jedoch nicht zwingend gute Eigenschaften sein müssen, beweist THE DARK KNIGHT RISES beinahe schon beispielhaft.

Der dunkle Ritter kehrt in seine Heimat zurück, bäumt sich auf, wird zum Held, nimmt alle Schuld auf sich und sowohl er als auch seine Legende zerbrechen darunter. Doch noch ein letztes Mal ist er bereit alles zu geben und will Gotham einmal mehr vor den bösen Machenschaften des organisierten Verbrechens retten. Diese Geschichte erzählt uns Christopher Nolans THE DARK KNIGHT TROLOGY in aller Ausführlichkeit und Genialität bis an jenen Punkt, an dem Bruce Wayne im Batman-Kostüm am Ende von THE DARK KNIGHT in die dunkle Nacht verschwindet, denn „he’s the hero Gotham deserves, but not the one it needs right now. So we’ll hunt him. Because he can take it. Because he’s not our hero. He’s a silent guardian, a watchful protector. A dark knight.“ Es verwundert nicht, dass THE DARK KNIGHT RISES nicht an diesen epischen Höhepunkt heranreichen kann. Das Finale bürdet sich die Last auf, alles zu einem Ende kommen zu lassen, ohne sich selbst die Zeit zu geben, ein eigenständiger Film zu sein.


Doch abseits aller Enttäuschung, die nichts mit einer objektiven Filmbewertung zu tun hat, ist THE DARK KNIGHT RISES ein sehenswertes Actionspektakel. Es gibt unvorhersehbare Plot-Twists, emotionale Momente, harte und brutale Kämpfe, sowie eine ganze Reihe an absolut einzigartigen Darstellern. Doch am Zusammenhalt all dieser Größen und einzelnen Sehenswürdigkeiten hapert es. Viel zu oft sind die Dialoge kalkulierend statt mitreißend und das Gesprochene wird ohne Rückhalt und Ausführung in den Raum geworfen und beiläufig abgehandelt. Emotionen werden verschluckt von Gesprächen, die ins Nichts führen.

Die alten Helden sind geknickt. Nicht nur Bruce Wayne (Christian Bale) hat sein Cape an den Nagel gehängt und wandelt durch die Korridore seines Anwesens wie der Schatten seiner einstigen Präsenz. Auch Alfred (Michael Caine) ist niedergeschlagen und unterfordert mit der Leere im Leben seines Freundes und Arbeitgebers und Comissioner Gordon (Gary Oldman) ist kurz davor unter der Last der Lüge, die er vor acht Jahren einer ganzen Stadt aufgetischt hat, zu zerbrechen. Beinahe schon weinerlich und sich selbst bemitleidend vegetieren sie dahin. Nolan lässt die Zuseher unbeholfen mitansehen, wie ihre einstigen Helden an der Stille des Friedens und des überflüssig Seins beinahe zugrunde gehen. Alle drei benötigen sie das selbe, um zu alter Form aufzulaufen. Nämlich die Wahrheit im Tageslicht und die Todesangst im Nacken. Während Alfred jedoch aus der Handlung genommen wird und seine Auftritte sich auf emotionale Ausbrüche beschränken, die ihm nicht gerecht werden, finden Bruce und Gordon frisches Blut und neuen Ansporn in der geschickten und mysteriösen Diebin Selina Kyle alias Catwoman und dem aufstrebenden Polizisten und letzten Verfechter Batmans: John Blake.

Joseph Gordon-Levitt und Anne Hathaway bleiben als Blake und Catwoman aufgrund ihrer Frische und originellen Chraktere die einzigen Gesichter, die nach THE DARK KNIGHT RISES wirklich hängen bleiben. Während Gordon-Levitt Sympathieträger und letzter Mann Gothams mit Menschlichkeit und Glaube ist, beschert uns Nolan durch Catwoman ein paar wenige Momente zum Lachen, von denen er noch viele mehr einbringen hätte können.

Anders als bei der skurrilen Schauspielerei von Joker-Legende Heath Ledger, ist bei Tom Hardys Bösewicht Bane keine Zeit für Witze oder Spielchen. THE DARK KNIGHT RISES schlägt dadurch einen deutlich härteren und brutaleren Grundton an als sein Vorgänger. Die wuchtige Imposanz des maskierten Muskelbergs Bane zeigt Batman seine körperlichen Grenzen, aber auch seine mentalen Stärken. Es liegt weder an seiner Maske, noch and der schwer gewöhnungsbedürftigen Stimme, dass Bane wenig Eindruck hinterlässt. Es liegt am Drehbuch. Denn während Bane sich seinen dunklen Machenschaften und durchkalkulierten Plänen hingibt, steht ihm die meiste Zeit niemand im Weg, da die Stadt mit ihrer Angst und Batman mit sich selbst zu kämpfen hat. So bleibt Bane eine unhinterfragte Maschine.


THE DARK KNIGHT RISES punktet mit phänomenaler Action und wenigen Special-Effects, sowie hart choreografierte Kampf- und Massenszenen und einem kalten, rauen Sound samt aufreibender Musik von Hans Zimmer. Batmans neuestes Spielzeug – The Bat – ein fliegendes Batmobil – ermöglicht ihm neue Flucht- und Angriffspunkte. Weiters wird es die Fans freuen, dass einige bekannte Gesichter des ersten und zweiten Teils für kleine Auftritte zurückkehren, um Nolans Gotham zu komplettieren.

Die Comichaftigkeit, welche auch im ersten und zweiten Teil kaum noch vorhanden war, wurde nun bis ins kleinste Detail wegrationalisiert und eine Geschichte über Verantwortung, Heldenverehrung und Selbstjustiz erschaffen. Gotham City bleibt letzten Endes eine Ansammlung hilfloser Menschen, die nach einem Star in ihrer Mitte verlangen. Und trotz all dem bleibt Batman nur Nebendarsteller in seinem eigenen großen Finale. Er ist kein Supermensch und schon gar kein Überflieger. Retten will er die Menschen aus einem irrationalen Glauben daran, dass er ihnen noch nicht alles gegeben hätte. Er übernimmt eine zusammenhaltende Funktion ein in Gothams Gesellschaft und im gesamten Film.

Fazit:
THE DARK KNIGHT RISES ist eine erwachsene Comic-Verfilmung, die – verglichen mit anderen derzeitigen Superhelden-Geschichten – wenig Witze und Charme aufbringt. Das Finale ist ein imposantes Action-Spektakel mit beeindruckenden Kämpfen und einer knackigen Catwoman. Doch ein würdiger Abschluss für BATMAN BEGINS und THE DARK KNIGHT ist der Film nicht. Dafür ist er zu sehr Fortsetzung und Finale, als dass er etwas eigenes vorweisen könnte, das ihn auszeichnet. Zu viel wird übers Tun gesprochen, zu wenig wird tatsächlich getan. Nichtsdestotrotz kann man sich im Kino getrost zurücklehnen, denn so wie alle Filme Nolans ist auch dieses kurzweilige 2 ¾ Stunden Spektakel sein Ticket wert.

 

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Filmkritik: 50/50 – Freunde fürs (Über)Leben (USA 2012)

vierstern

INHALT

Adam Lerner (Joseph Gordon-Levitt) ist noch keine 30, hat einen coolen Job, eine hübsche Freundin und alles geht seinen gewöhnlichen Lauf – bis er plötzlich diese brutalen Rückenschmerzen bekommt. Die schockierende Diagnose: An Adams Wirbelsäule wächst ein monströser Tumor. Er hat Krebs – noch dazu eine seltene Form, die mit hoher Wahrscheinlichkeit tödlich verläuft. Der Himmel stürzt ein, und schlagartig ist Adams Welt eine andere – die vor allem aus Wartezimmern besteht und seine glorreichen Zukunftspläne schrumpfen auf ein einziges Ziel: Überleben. Während sein bester Freund versucht ihn mit potentiellen Sex-Partnerinnen abzulenken, möchte seine Mutter am liebsten bei ihm Einziehen und für seine junge Therapeutin (in Ausbildung) ist er erst der dritte Fall überhaupt…

REVIEW

Krebs ist eine ernste Angelegenheit, doch hat man ihn selbst überlebt, kann daraus eine rührende Komödie entstehen!

Drehbuchschreiber und Produzent Will Reiserist ein neurotischer Zeitgenosse. Gerade noch beginnt er in Hollywood als blutjunger Produzent bei der legendären „ALI G. SHOW“ von Sacha Baron Cohen gemeinsam mit Seth Rogan als vielversprechender Autor seine Karriere. Und im nächsten Moment bekam er die Diagnose: Krebs! Er erlebte den riesigen Tumor als ein Alien, dass sich rund herum seine Wirbelsäule hinab in seinen Körper einnistet. Erst nach einiger Zeit des gemeinsamen Arbeitens teilte er sein Schicksal seinen Freunden und Kollegen Seth Rogan und Evan Goldberg mit. Nach einer komplizierten und langen Operation und der schlimmsten, schmerzintensivsten Woche seines ganzen Lebens, ging es langsam wieder bergauf und ganze zwei Jahre später erst schrieb er seine Geschichte auf – über Krebs, Freundschaft und Lachen als beste Medizin einer jeden Krankheit. Dies war die erste Version des Drehbuchs zu 50/50 – FREUNDE FÜRS (ÜBER)LEBEN. Regie übernimmt THE WACKNESS – Regisseur Jonathan Levine.

Nur ein Mensch, der diese intensive Erfahrung am eigenen verloren zu sein scheinenden Leib erfahren hat, kann basierend auf solch einer hoffnungszerschmetternden Diagnose wie Krebs einen Film schreiben, der sich nicht nur authentisch anfühlt, sondern gleichzeitig völlig unsentimental seine Charaktere ihren Weg gehen lässt. Ohne eine große Sache aus sich und seiner Angelegenheit zu machen, beschreitet 50/50 beinahe schon den Weg eines Feel-Good-Movies, ohne jegliche kitschige Zusammenschnitte schnell verfliegender Zeit. Denn „Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Es gibt nichts Schlimmeres [als Krebs] – was also könnte lustiger sein?“ Mit diesem Motto von Goldberg beginnen die Dreharbeiten auf dem schmalen Grad zwischen Pathos und Humor mit zahlreichen kleinen und großen Witzen zwischendurch, wie sie tatsächlich nur das echte Leben schreiben kann.

„You’ll be fine!“, dröhnt es in allen Gesprächen, wie ein immerwährendes Echo in dien Ohren des Protagonisten. Sehr kurzfristig übernahm eines der größten (Hollywood-)Talente unserer Zeit diese Hauptrolle: Joseph Gordon-Levitt. Vielseitig darf er nach zahlreichen Haupt- und wichtigen Nebenrollen in Ausnahmefilmen wie BRICK, (500) DAYS OF SUMMER und INCEPTION als krebskranker Protagonist Adam auch in 50/50 wieder seine Qualitäten als Charakterdarsteller beweisen. Hin und hergerissen zwischen eigenen Empfindungen und vorgeschriebenem Genesungsverlauf verliert er sich in einer Gleichgültigkeit, aus die ihn nur sein bester Kumpel – Seth Rogan wie immer derb und herzhaft zugleich – und seine blutjunge Therapeutin in Ausbildung herausholen können. Anna Kendrick (UP IN THE AIR, TWILIGHT-Filme) mimt die hilflos und zugleich tapfer bemühte psychologische Betreuung, die in Adam mehr sieht als einen Patienten. Ganz im Gegensatz zu seinem betreuenden Arzt, der sich feige hinter seinem Fach-Chinesisch versteckt.


Gemeinsam mit Reisers Charakteren beginnt das Publikum die Reise eines hilflosen, absolut durchschnittlichen Menschen, der nicht weiß, ob er sich um seine trauernden Angehörigen kümmern sollte, oder ob doch er der Mittelpunkt dieser Tragödie sein darf. Die verschiedenen Personen sind echte Menschen, mitten aus dem Leben gegriffen. Die besorgte Mutter (großartige Angelica Huston), der immer grinsende Altzheimer-kranke Vater und die unausstehliche (Ex-)Freundin (Bryce Dallas Howard) sind alles Leute, die das echte Leben schreibt. Ohne jegliche Übertreibung werden alle in eine Situation zusammengeworfen, die sie zwischen Selbsüchigkeit, Mitleid, Sorge, Verlorenheit und Bemühungen hin und her hechten lässt. Und nebenbei ist für jeden genügend (medizinisches) Marihuana übrig, um für viele herzhafte Lacher zu sorgen.



Ohne eine konkrete Frage zu stellen
, sowie die Dramatik der tödlichen und bemfremdenen Zellenmutation im Körper zu überlassen, baut sich die Story rund um den einen Spannungsbogen auf, welcher die unweigerliche Frage stellt: auf welcher Seite der 50/50 Chance wird diese Geschichte enden? Mit keinerlei erzwungenem Nachdruck auf die Tränendrüse werden die rührenden Ereignisse geschildet. Doch letzten Endes bleibt auch 50/50 in all seiner Authentizität das Produkt einer gängigen Dramaturgie der Tragikomödie, die gleichsam zum Weinen, Lachen und manchmal auch zum Mitdenken anregt. Der autobiografische Ansatz traut sich nämlich weder in die Richtung einer Hollywood-Dramedy zu gehen, noch bleibt es einem schablonenhaften Schema fern.

Fazit:
50/50 – FREUNDE FÜRS (ÜBER)LEBEN ist gleichsam herzerwärmend, witzig und bewegend. Eine Tragikomödie, die sich voll und ganz auf seine Charaktere konzentriert und nur durch deren Empfindungen die Geschichte vorantreibt. Der Film bezieht seine Kraft aus der entscheidenen Ungewissenheit um Leben oder Tod. Gemeinsam mit dem ungekünstelten Protagonisten begeben sich die Zuseher auf eine Reise in die Welt eines Krebskranken, die sich nicht als Krankheitsbild, sondern ganz im Gegenteil, als Geschichte von Freundschaft, Familie, Bindung und Todesangst beweist. Mit all seinen aufheiternden Witzen und liebens- sowie lebenswertem Humor lässt 50/50 sich niemanden unberührt.

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