Filmkritik: THE LUCKY ONE – Für immer der Deine (USA 2012)

INHALT

In dem romantischen Drama nach dem Bestseller „Für immer der Deine“ von Nicholas Sparks übernehmen Zac Efron, Taylor Schilling und Blythe Danner die Hauptrollen unter der Regie von Autor/Regisseur und Oscar-Kandidat Scott Hicks. U.S. Marine Sergeant Logan Thibault (Zac Efron) kehrt von seinem dritten Einsatz im Irak zurück. Er ist überzeugt, dass nur ein Umstand ihm das Leben gerettet hat: das Foto einer Frau, die er nicht einmal kennt. Als er herausfindet, dass sie Beth (Taylor Schilling) heißt und wo sie wohnt, sucht er sie auf und nimmt in der Hundezucht der Familie einen Job an. Beth misstraut ihm anfangs und hat reichlich eigene Probleme, doch trotzdem entwickelt sich eine Beziehung zwischen ihnen, die Logan hoffen lässt, dass Beth mehr sein könnte als nur sein Talisman.

REVIEW

Ist unser Leben vorherbestimmt? Sind wir alle nur ein Spielball eines großen Plans? Was auch immer das Schicksal für jeden einzelnen vorgesehen hat, dieser Film sollte darin keine Rolle spielen!

Es gibt Liebesfilme und es gibt Liebesschnulzen. Ein noch so kitschiger Film kann mit spannender Dramaturgie und eingehenden Charakteren, wie THE NOTEBOOK oder TITANIC, sich zu einem gehaltvollen und sehenswerten Liebesfilm entwickeln. Doch dann gibt es auch jene Werke, die mit aller Gewalt versuchen, den Kinobesuchern diese widerborstigen Tränen zu entlocken (und davon möglichst viele), als hätten sie ein Abkommen mit den Taschentuch-Fabriken dieser Welt. Denn nach einem netten und witzigen Start mit sympathischen Charakteren schmerzt es umso mehr, wenn sich THE LUCKY ONE – FÜR IMMER DER DEINE selbst als ein unplausibles Stück Stereotyp abstempelt. Irgendwann ist man dem vielen Geturtel einfach überdrüssig.

Es ist eine wahnsinnig romantische Vorstellung, dass jemand mitten in einem unmenschlichen und alle Hoffnung verdrängenden Krieg das Foto einer jungen Frau findet und sich von da an nur dadurch dem Wahnsinn fernhalten kann. Ganz klar muss dies Schicksal gewesen sein, denkt der Soldat, und sucht das wunderbare Geschöpf auf seinem Talismann im wahren Leben auf – dort, wo es für Kriegstraumatisierte eigentlich keinen Platz zu geben scheint – und doch findet er ihn an ihrer Seite. Für alle Fans von schicksalsträchtigen Romanzen hat dieser Ansatz ohne Frage Potential zum neuen Lieblingsfilm. Den Fehler, den THE LUCKY ONE jedoch begeht, ist, sich auf dieser Vorstellung auszuruhen und die anfänglich viel versprechend skizzierten Charaktere und Begebenheiten endlosem Geknutsche und Eifersüchteleien zum Opfer fallen lässt. Während der erste Teil des Films von der Spannung lebt, wie diese beiden, grundverschiedenen Menschen wohl im Herzen zueinanderfinden, entzieht sich im zweiten Teil der scheinbar alles bisher Aufgebaute zu zerbrechen drohende Konflikt jeglicher Plausibilität.

Wer Zac Efrons Karriere verfolgt, welche mit der Teenie-Hysterie HIGH SCHOOL MUSICAL begann, der weiß, dass der mittlerweile 24-Jährige (abgesehen von seiner mäßigen Rollenwahl) noch eine prächtige Zukunft vor sich hat. Bald in Lee Daniels THE PAPERBOY neben John Cusack und Nicole Kidman zu sehen, ist dafür ein Schritt in die absolut richtige Richtung. In THE LUCKY ONE darf er jedoch hauptsächlich seine Musekln in der Sonne glänzen lassen, sowie sich im Dackelblick und charmenter Zurückhaltung üben. Ihm zur Seite steht die wunderbare Blythe Danner (MEINE BRAUT, IHR VATER UND ICH) als zukünftige Schwiegeroma; hat es sich ja eingebürgert, bei Romanzen eine Meisterin des Schauspielfaches den jungen Darstellern an die Seite zu stellen. So mussten schon Kathy Bates in P.S. ICH LIEBE DICH und Jessica Lange in THE VOW den Verliebten unter die Arme greifen. Danner darf ihre Rolle als liebenswerte und achtsame Großmutter bis zum Ende aufrecht halten, während sich Efrons Soldat irgendwann zwischen Liebesgeständnissen und Heldenhaftigkeit verliert.

Als unschuldiger Eigensinn und unbeholfener Hass stehen sich Taylor Schilling und Jay R. Ferguson gegenüber, die als Ex-Ehepaar um ihren gemeinsamen Sohn streiten. In masslosem Over-Acting, welches jedoch wohl Regisseur Scott Hicks zuzuschreiben ist, formen sich die beiden trotz mancher entgegengesetzter Versuche des Drehbuchs zu einer ultimativen Gegenüberstellung von Gut & Böse und Schwarz & Weiß, die sich schon bald in filmeigenen Déjù Vus und unerklärlichen Charakterentscheidungen erschöpft. Passend zum Konzept der Guten ist der prinzipiell im Mittelpunkt stehende Junge wahnsinnig süß und wirkt authentisch, was bis jetzt noch nicht jedem Kinderdarsteller gelungen ist.

Fazit:
THE LUCKY ONE – FÜR IMMER DER DEINE ist eine jener Romanzen, die mit dem stereotypen Poster von zwei sich beinahe küssenden Menschen ein dramatisches Liebesabenteuer versprechen und sich nach peppigem Beginn und netter Einführung in endlosen weichgezeichneten und weichgespülten Schmuseszenen, sowie völlig sinnbefreiter Handlungstwists verlieren. Die beiden immerwährenden Themen Schicksal und Wahre Liebe lassen sich wie hier nicht nur stets wunderbar miteinander kombinieren, sondern werfen auch die immerwährenden großen Fragen der Menschheit auf, ob wir alle nicht bloß Spielbälle einer höheren Macht sind – Ja, selbsterklärte Spielbälle der Filmindustrie und ihrer charakterlosen Fließbandware.

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Filmkritik: THE VOW – Für immer Liebe (USA 2012)

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INHALT

Die wahre Geschichte der Familie Carpenter erzählt von Paige und Leo, einem frisch verheirateten und schwer verliebten Traumpaar. Sie können ihr Glück kaum fassen einander gefunden zu haben und versprechen sich ewige Treue. Doch nach einem Autounfall erwacht Paige aus dem Koma und kann sich an die letzten Jahre nicht mehr erinnern – auch nicht an ihren Mann Leo. Dieser versucht fortan nichts unversucht, um das Herz seiner Frau wieder aufs Neue zu erobern. Doch für sie ist ihr Ehemann bloß ein Fremder. Und da er nicht einmal ihre Eltern kennt, welche nun Paiges einziger Anhaltspunkt sind, wird die Rückeroberung umso schwieriger. Sie fühlt sich wieder als Jus-Studentin, welche mit Jeremy verlobt war, bevor sie Künstlerin wurde, in die Stadt zog und Leo kennenlernte…

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REVIEW

Kleinigkeiten entscheiden unser Leben, heißt es immer. Doch in Paiges und Leos Fall war es ein großer schicksalshafter Einschnitt in ihr gemeinsames Zusammenleben, welcher die Dinge für immer änderte. Oder eben doch nicht?

Eine unglaubliche Geschichte, so absurd und doch könnte sie jederzeit jedem zustoßen. Was, wenn sich dein wichtigster Mitmensch plötzlich nicht mehr an dich erinnert? Würdest du wissen, wie du das Herz deines Seelenverwandten wiedergewinnst? Und würdest du alles geben? Diese epischen und identifikationsschwangeren Fragen überzeugten Produzent Jonathan Glickman die wahre Geschichte von den Carpenters als Liebesdrama auf die Leinwand zu bringen. Universale Themen wie die wahre Liebe, Schmerz, Trennung und das Schicksal, trotz allem zueinander zu finden, waren immer schon wichtigster Teil der ganz großen Liebesgeschichten. Seien es nun Jack und Rose auf der TITANIC oder Jenny Curran und FORREST GUMP. Doch es sollte aus dem dramatischen Stoff kein Melodrama entstehen, und gelungen ist Regisseur Sucsy tatsächlich ein herzzerreißend ehrliches und von Channing Tatum und Rachel McAdams feinfühlig dargestelltes Liebesdrama, die trotz aller Gemeinsamkeiten mit anderen epischen Liebesgeschichten dennoch ihresgleichen sucht und etwas Besonderes bleibt.

Eine quirlige Schauspielerin, bekannt für ihre – von den großen Liebesfilmen der letzten Jahre geprägte – Rollenauswahl. Rachel McAdams wartete an der Seite von Eric Bana als THE TIME TRAVELER’S WIFE geduldig auf ihren Ehemann, dass er aus der Vergangenheit und Zukunft noch einmal zu ihr findet. Als Owen Wilsons reiche Verlobte konnte sie in Woody Allens MIDNIGHT IN PARIS dann auch einmal die Rolle der unsympathischen Zicke einnehmen und neben Ryan Gosling mimte sie in THE NOTEBOOK ebenfalls eine Tochter aus wohlhabendem Haus, die trotz allen Hindernissen immer wieder zu ihrem Seelenverwandten zurückfindet. Und selbst das in ihren späten Jahren ausgebrochene Alzheimer (auch hier war Gedächtnisverlust ein großes Thema) kann die beiden nicht voneinander trennen. Wie in all diesen Filmen, weiß McAdams auch in THE VOW Charme und Authentizität zu ihren Gunsten und für eine überzeugende Charakterverkörperung zu nutzen.

Ein ehemaliger Stripper und auch guter Schauspieler zu sein, das können nicht alle Hollywood-Aufsteiger von sich behaupten. Channing Tatum, bald in seinem Gogo-Element in MAGIC MIKE zu sehen, kann es sehr wohl! Auch er liefert in dem Liebesdrama eine breite Gefühlspalette an überschwänglichen und zurückhaltenden Emotionen. Für Paiges Eltern wurde an großen Talenten ebenfalls nicht gespart. BIG FISH-Darstellerin Jessica Lang und JURASSIC PARK-Forscher Sam Neill mimen die Upper-Class-Eltern, welche sich vorerst hinter seinem Rücken und dann doch klar gegenüber Leo gegen ihn aussprechen. In dieser Geschichte bleiben sie bei ihrem eigenen Nebenplot jedoch außen vor und nur Fassade. Das Drehbuch lässt sie leider keine Dynamik entwickeln, weder zu ihrer Tochter, noch zueinander. Etwas mehr Interaktion der einzelnen Figuren hätte die Komplexität der Geschichte und sicher auch das Niveau des Films noch weiter gehoben.

Ein verzweifelter Ehemann, der wirklich alles versucht, seine Frau zurückzugewinnen. Doch ihre Erinnerungen wollten einfach nicht wiederkommen. Krickitt Carpenter, auf deren reale Erlebnisse THE VOW beruht, meinte, das Leben sei voller Höhen und Tiefen und Herausforderungen, doch man solle sich bitteschön am Riemen reißen und das Beste, was man hat und ist, geben. Und genau diese Einstellung kann das Drama vermitteln. Es wird ohne überquellenden Kitsch und mit einfühlsamer Darstellung ein Paar vermittelt, das alles gäbe, um wieder vereint sein zu können. Doch da es für solch eine Ausnahmesituation kein Heilungsrezept gibt, muss das Leck an Vertrauen mit liebevollen Ideen, großen Gefühlen und totaler Verausgabung kompensiert werden. Und das wiederum fordert ein immens großes Taschentuchkontingent im Zuseherraum!

Fazit:
THE VOW – FÜR IMMER LIEBE ist ein einfühlsam erzählter Liebesfilm, welche durch ein perfektes Casting der Hauptdarsteller McAdams und Tatum zusätzliche Tiefe erlangt. Nur leicht skizziert hingegen werden all die Nebendarsteller und sehen neben den großen Gefühlen ihrer Kollegen weit im Abseits. Alle Fans epischer Liebesgeschichten können sich also auf zwei unvergesslich intensive Stunden freuen. Und auch Freunde guter Dramen kommen auf ihre Kosten, da sich die feinfühlige Geschichte nicht auf ausschweifende Liebesgeständnisse, sondern kleine Momente besinnt. Und auf Kleinigkeiten kommt es ja bekanntlich an.

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