Filmkritik: WRATH OF THE TITANS – Zorn der Titanen (USA 2012)

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INHALT

Zahn Jahre nach dem heldenhaften Sieg über den monströsen Kraken möchte der Halbgott und alleinerziehende Vater Perseus, Sohn von Zeus, ein beschauliches Leben als Fischer führen. Doch die Götter kämpfen mit den Titanen weiterhin um die Vorherrschaft und bedrohen damit das Leben aller Menschen auf der Erde. Da die Menschheit die Götter kaum mehr verehren, schwindet deren Macht über die eingekerkerten Titanen und ihren grimmigen Anführer Kronos, Vater der schon ewig herrschenden Brüder Zeus, Hades und Poseidon. Die drei hatten das Triumphirat ihres Vaters vor einer Ewigkeit gestürzt. Perseus kann sich seiner Berufung nicht entziehen, als Hades zusammen mit Zeus göttlichem Sohn Ares die Seiten wechselt und mit Kronos intrigiert, um Zeus in eine Falle zu locken. Viel mehr als nur Zeus‘ göttliches Dasein steht auf dem Spiel und Perseus begibt sich gemeinsam mit seinen Gefährten auf eine gefährliche Reise, um seinen Vater zu retten.

REVIEW

Aufruhr in der Unterwelt! Auf ein Neues muss Sohnemann Perseus die Streitigkeiten seines Vaters Zeus austragen und stürzt sich dabei in ein unerwartetes Abenteuer zur Rettung der Menschheit.

Der erste Teil, oft als „Mischmasch der Titanen“ beschrieben, ließ die verschiedensten Kreaturen aufeinander los, welche sich in ebenso unterschiedlichen Mythen und Sagen wiederfinden lassen. Und eben diese Titanen sind nun mächtig angepisst und ebenso zusammengewürfelt und wütend in ZORN DER TITANEN. Und wer wäre das nicht, wenn er wie Kronos, Vater von den Götter-Gebrüdern Zeus, Hades und Poseidon, seinen eigenen drei Söhnen, vor einer Ewigkeit gestürzt und verbannt worden wäre? Engstirnige Mythologie-Fans werden die Zusammenführung der verschiedenen Figuren wohl nicht begrüßen. Action- und Fantasy-Fans werden sich umso mehr freuen über diesen bunten Haufen an wilden Bestien. Denn auch wenn optisch alles bestens funktioniert, bleibt die Story so staubig und konfus wie der aufgewirbelte Sand beim Dreh auf Teneriffa.

Vom Endgegner soll hier nichts verraten werden, gesagt sei jedoch, dass die Titanen noch nie so zornig waren. Und nie haben sie besser ausgesehen. Die Special-Effekt-Zauberer leisten ganze Arbeit. Angefangen bei der zweiköpfigen Chimäre, die wie ein Meteor vom Himmel fällt und ein ganzes (vorher eigens für die Szenen aufgebautes und liebevoll detailliert eingerichtetes) Fischerdorf niederreißt, sind alle Kreaturen einwandfrei animiert – die 2,60 Meter großen, sechsarmigen Makhai mit doppeltem Körper und schneller Rückhand, die 10 Meter großen Zyklopen, Perseus wunderschöner Pegagus, und viele mehr. Doch trotz der grandiosen Effekte, wirkt der reale, durch ein massives Ganzkörperkostüm erschaffene Minotaurus am gruseligsten und hätte einen weitaus längeren Kampf verdient! Denn neben dem toll ausgewählten, nicht-amerikanischen Schauspielern, sind die Bestien und die Dynamik, welche sie ins Geschehen mit einbringen, das Sehenswerte an dem Film.

Als Versöhnung für die rasante, aber drastisch unoriginelle Geschichte, hat man einen fulminanten, beinahe ausschließlich britischen Cast zusammengestellt, der die schwache Geschichte fast vergessen lässt. Liam Neeson als etwas arroganter und doch warmherziger Zeus, Ralph „Voldemort“ Fiennes als niederträchtiger und im Innersten doch verletzlicher und liebender Hades und Hauptdarsteller Sam Worthington, solide wie immer, als Halbgott Perseus sahen wir alle drei schon in KAMPF DER TITANEN. Sie werden nun durch den exzellenten Charakterdarsteller Bill Nighy und Klassenclown Toby Kebbell einmalig komplettiert. Kebell, den wir als Dreh- und Angelpunkt aus Guy Ritchis ROCK’N’ROLLA kennen, sorgt inmitten der düsteren Kriegsstimmung zwischen den Titanen für feinsinnige Aufheiterung und Schmunzeln. Nighy, als dementer und verstoßener Hephaestos, ist bei den hitzigen Diskussionen mit seiner mechanischen Eule mindestens so unterhaltsam wie sehenswert und lässt – zum Glück für den Film – seinen britischen Charme durchsickern. Der Südamerikaner Édgar Ramírez sorgt als eifersüchtiger Bruder von Perseus für die nötige Leidenschaft, während die königliche Kriegerin Andromeda, gespielt von Rosamunde Pike, als einzige wichtige weibliche Rolle allen Männern die Stirn bieten kann. Doch nicht jeder der Charaktere kann sein Rolle im selben Maße entfalten und so bleiben Ramírez und Pike eher fahl in Erinnerung.

Fazit:
Eine wirre Geschichte, einfallslos und zusammengestückelt, wird vom Regisseur Jonathan Liebesman und seinem nicht-amerikanischen Cast als reißendes Fantasy-Spektakel inszeniert mit Hang zu großen (familiären) Gefühlen. Als heimliche Stars des Films stehen sich Liam Neeson und Ralph Fiennes als gealtertes Brüderpaar gegenüber, dessen Charme sich niemand entziehen kann. Wie schon gesagt, Fans des ersten Teils, sowie jeglicher Fantasy-Action ohne „Mythen-Treue“ werden sich all die feinen Animationen nach dem Kinobesuch gleich nochmal ansehen wollen. Verfechter guter Geschichten sollten ihn maximal auf DVD gucken.

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Filmkritik: TÜRKISCH FÜR ANFÄNGER – DER FILM (GER 2012)

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INHALT

Lena Schneider hat es nicht leicht. Vom Leben frustriert und einer antiautoritären Erziehung „traumatisiert“ wird sie von ihrer Mutter Doris, Psychotherapeutin und Berufsjugendliche, zu einem Urlaubstrip nach Südostasien verdonnert. Bereits im Flugzeug werden Lenas schlimmste Befürchtungen wahr, als sie neben dem wandelnden Testosteronpaket Cem Öztürk sitzen muss. Deutsche Emanzipation trifft auf türkischen Machismo. Die Katastrophe ist perfekt als die Boeing notwassern muss und Lena sich plötzlich mit Cem, dessen religiöser Schwester Yagmur und dem stotternden Griechen Costa auf einer einsamen Insel wiederfindet. Während die Jugendlichen den Schlagabtausch im unberührten Paradies eröffnen, trifft Doris in einer Hotelanlage auf den konventionell-bürgerlichen Vater Metin Öztürk, ebenfalls auf der Suche nach seinen Kindern…

REVIEW

„Manche Erziehungsexperimente gehen eben schief. Ich war 19 Jahre alt, Ich hatte definitiv kein Sexleben und ich war abhängig von Johanniskrautkapseln.“ – Lena

Lena Schneider sitzt in ihrem Zimmer und versinkt in Gedanken an ihr nicht erfülltes Sexleben und ihre anstrengende Mutter, die den Orgasmuskurs verbotener Weise schon wieder bei ihnen zu Hause abhält. Kommt einem zurecht bekannt vor, denn so in etwa hat auch die deutsche Erfolgsserie TÜRKISCH FÜR ANFÄNGER vor fünf Jahren begonnen. Für den Film hat Serien-Schreiber Bora Dagtekin nicht nur wieder zu Feder gegriffen, sondern auch sein Regiedebüt absolviert. Mit der Geschichte wird wieder bei Null begonnen, um die launische Patchwork-Familie einmal mehr in ursprünglicher Konstellation aufeinander loszulassen. Doch ein größeres Setting musste her. Schließlich entschied man sich für eine einsame Insel, um den Kinofilm mit der nötigen Weite und Größe von der Serie abzuheben. Zwar kann man das Ende des Films schon zu Beginn erahnen, doch aus der intelligenten Comedy-Serie wird eine spannende und unterhaltsame Abenteuer-Komödie mit zahlreichen neuen Aspekten und Witzen. Bloß für diejenigen im Publikum, welche von der Serie nichts mitbekamen, könnte die Story manchmal etwas allzu schnell voranschreiten.

„Boah, immer diese Kanacken.“ – Cem

Der Serien-Reboot bemüht sich, die beiden einzigartigen Familien im altbekannten Schlagabtausch in völlig neuer Umgebung erstrahlen zu lassen, denn die Serie ist auserzählt. Und wenn man sich aufgewärmte und konstruierte Serien-Filmfortsetzungen wie beispielsweise SEX AND THE CITY 2 ansieht, hat Dagtekin hier eindeutig die richtige Wahl getroffen. Denn auch wenn die Story in gewohnter Manier abläuft, harmonisieren die Schauspieler besser denn je – samt großartigem Witz und klugem Humor. Das hohe Maß an politisch unkorrekten Qualitäten wurde beibehalten. Mit viel Augenzwinkern versucht TÜRKISCH FÜR ANFÄNGER – DER FILM erneut nicht das Publikum in Sachen Integration zu belehren, sondern fordert auf, mal hinter die Kulissen und Hautfarben zu sehen und alles mit Humor zu nehmen.

„Ich date einen türkischen Beamten, das ist image-technisch ein Alptraum. Wenn ich das den Mädels vom Orgasmuskurs erzähle, dann bin ich unten durch.“ – Doris

Culture Clash gabs nicht nur vor der Kamera. Die Dreharbeiten in Thailand verlangten der Crew an Kommunikations-Einfallsreichtum einiges ab. 800km weiter westlich, auf Andamanen, spielt der Film. Gedreht wurde aber an den traumhaften Sandstränden von Thailand in ebenso wahnwitziger Hitze, welche der Film widerspiegelt. Stechmücken, Schlangen, Spinnen, Skorpione, Sandflöhe und Kakerlaken waren für die Schauspieler das geringste Problem, denn sie durften sich nicht ohne Sonnenschutz Faktor 50 nach draußen trauen – stand so im Vertrag, um Anschlussfehler zu vermeiden. Da wird bei der eingekauften Sonnencreme um 500€ aber sicher für jeden Hauttyp etwas dabei gewesen sein!

„Der Duden hält jetzt mal die Fresse, sonst kommt er ins Altpapier.“ – Cem

Dass die Chemie in der türkisch-deutschen Patchwork-Familie Öztürk-Schneider stimmt, ist ja schon seit 2006 kein Geheimnis mehr. Josefine Preuß gibt mit edelblassem Teint erneut die spießige, aber auf ihre Art und Weise doch liebenswerte Emanze. Und trifft damit auf Elyas M’Barek, einem türkischen Macho, wie er im Buche steht mit starkem Beschützerinstinkt und romantischen Tendenzen. Auch Pegah Ferydoni als Yagmur Öztürk und Arnel Taci als Costa (der sich im Flugzeug befindet, da er auf dem Weg zu einer Delfintherapie gegen sein Stottern ist) nähern sich langsam an und griechische Unbeholfenheit trifft auf religiöse Korrektheit. Anna Stieblich und Adnan Maral als antiauthoritäre Psychotherapeutin Doris, die von Parties und strammen Jünglingen träumt und Konventionalist Metin werden lediglich von dem unerwarteten Gastauftritt Katja Riemanns (DIE APOTHEKERIN) übertroffen, für welche als Uschi das Leben mit den Wilden im Busch zur persönlichen Erfüllung wurde. Kurzweilig und originell performen sie alle Dagtekins spritziges Drehbuch.

Fazit:
Launisch-labil, aber herzhaft-charmant gibt sich die Schneider-Öztürks in den alten Grundzügen und mit neuen, pfiffigen Witzen. Bora Dagtekin führt den Schlagabtausch zwischen den Kulturen und innerhalb der Familien auf den Comedy-Olymp. Nicht nur amüsant und unterhaltsam, sondern auch geistreich nimmt Dagtekin, selbst türkisch-deutscher Herkunft, das Integrations-Thema auf die Schaufel und lässt die Schauspieler in einer kurzweiligen und sehenswerten Abenteuer-Komödie aufeinander los. TÜRKISCH FÜR ANFÄNGER – DER FILM ist nicht nur für Fans der Serie einen Kinobesuch absolut wert.

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