Filmkritik: MAN ON A LEDGE – Ein riskanter Plan (USA 2011)

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INHALT

Nick Cassidy war einst ein erfolgreicher Cop mit einem nahezu perfekten Leben. Doch plötzlich findet er sich im Gefängnis wieder, für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat. Wie weit kann ein Mann gehen, um seine eigene Unschuld zu beweisen? Völlig verzweifelt nutzt er die erstbeste Gelegenheit zur Flucht und steigt mit einem ausgeklügelten Plan im Kopf auf den Fenstersims eines Hochhauses. Von dort aus verlangt er von der bereits eingetroffenen Polizei ein Gespräch mit der Psychologin Lydia Anderson. Während unten die Menschenmenge und das Polizeiaufgebot größer werden, dient Nicks Aktion jedoch nur als Ablenkungsmanöver der Unschuldsbeweisung durch eine unentdeckte Operation im Nebengbäude, ausgeführt von seinem Bruder Joey und dessen Freundin Angie…

REVIEW

Eine Stunde lang dem Mann am Fenstersims zusehen? Spannender als ihr denkt!

„Man on a ledge!“ – Jeder amerikanische Polizist hat diesen Ausdruck schon einmal gehört. Die Rede ist von einem Vorfall, bei dem ein Mensch aus dem Fenster steigt, um sich von einem Gebäude zu stürzen. Und eben das stellt die zentrale Handlung in MAN ON A LEDGE – EIN RISKANER PLAN dar, vorerst zumindest. Einen ziemlich riskanten Plan haben die Produzenten Lorenzo di Bonaventura und Mark Vahradian für diesen Film allerdings ausgeheckt. Kurz nachdem sie R.E.D. – ÄLTER. HÄRTER. BESSER. abgedreht hatten, begannen schon die Vorbereitungen zu jenem neuen Thriller, für welchen sie gemeinsam mit Kameramann Paul Cameron (COLLATERAL, MAN ON FIRE) zu logistischen Höchstleistungen auflaufen mussten. Dreharbeiten an der Außenwand des Roosevelts Hotels im 21. Stock in 70 Metern Höhe waren nicht nur für den noch dazu mit Höhenangst geplagten Hauptdarsteller Sam Worthington eine Zumutung, sondern auch für den Regisseur und Spielfilmdebütant Asgar Fath und seine Leute hinter der Kamera. Und doch brachten sie alle gemeinsam einen spannenden und sehenswerten Thriller der alten Schule auf die Leinwand.

Nick Cassidy heißt der Mann am Fenstersims, gespielt vom sympathischen AVATAR- und KAMPF DER TITANEN-Star Sam Worthington. Der Ex-Cop ist ein Mann, an dessen Unschuld vom Publikum keine Sekunde lang gezweifelt werden kann, und doch ist er ein flüchtiger Sträfling, der unter Lebensgefahr seine weiße Weste beweisen will. Ihm zur Seite gestellt wird eine Frau namens Lydia Mercer, deren Berufserfolg ebenfalls an Hoffnung geknüpft ist. Lydia ist Spezialistin dafür, eben solche Menschen wie Nick vor dem Selbstmord zu hindern. Elizabeth Banks, die schon seit Jahren mühelos zwischen Comedy (ZAC AND MIRI MAKE A PORNO) und Drama (THE UNINVITED), Film und Fernsehen (SCRUBS) hin und her pendelt, meistert auch die Rolle der ausgelaugten Verhandlungspartnerin souverän. Banks, welche vor kurzem erst mit Russel Crowe in dem Ausbruchs-Thriller 72 STUNDEN zu sehen war, hat wohl ein Faible für durchdachte Thriller, auch wenn ihr neuer Film MAN ON A LEDGE die pure Spannung nicht in dem Maße bringt, wie es 72 STUNDEN getan hat.

Cassidy klammert sich zwei Drittel des Films halbwegs Ruhe bewahrend in 70 Metern Höhe an die Hauswand. Sam Worthington freute sich darüber eben diese Rolle einnehmen zu können, da er mal „richtig schauspielern dürfe, nicht immer nur herumlaufen und schreien“, wie in seinen bisherigen Blockbustern. Seine Höhenangst verhalf Worthington tatsächlich zu ein paar überzeugenden Angst-geprägten Momente. Und doch wird dem sich nach und nach Glauben schenkenden Pärchen Nick Cassidy und Lydia Mercer von den beiden jungen Darstellern der Parallelhandlung die Show gestohlen. Nicks kleiner Bruder und dessen rassige Freundin – Großtalent Jamie Bell mit Serienschauspielerin Genesis Rodriguez – entwickeln ein Zusammenspiel von dessen Dynamik andere Leinwand-Pärchen nur Träumen können. Bell, dessen Talent und Charakterdarstellungen ihm hoffentlich bald zur ganz große Rolle verhelfen, bekommt von Rodriguez einiges an Sex-Appeal zur Seite gestellt. Komödiantisch in ihrer unbeholfenen Art und dramatisch durch das ungewöhnliche Abenteuer versuchen die beiden durch einen Einbruch im Nebengebäude dem Mann am Fenstersims zu helfen. Wie das alles zusammenhängt und was Ed Harris als psychopathische Kapitalist im Gebäude gegenüber damit zu tun hat, das kann sich jeder Zusehende wie ein Puzzle unter anderem mit Hilfe von Rückblenden von Minute zu Minute selbst zusammenbasteln.

Und scheinbar im Vorbeigehen macht Regisseur Asgar Leth hier auch noch die Tür zu einem moralischen Diskussions-Raum auf – die immer größer werdende Menschenansammlung, die teils inständig hofft Nick Cassidy vom 21. Stock auf den Bürgersteig vor ihnen aufprallen oder wenigstens unsanft auf der dicken Matte aufkommen zu sehen. Durch diese und andere Feinheiten, wie die atemberaubenden Aufnahmen am Fenstersims – teils tatsächlich in 70 Metern Höhe gedreht – sowie das kluge Aufrollen der Geschichte, wird der anfänglich durchschnittlich anmutende Thriller zu einem Ausbruchs-Einbruchs- und Ermittlungs-Spektakel.

Fazit:
Rache und Selbstjustiz treten hier in den Hintergrund und werden ersetzt von dem tiefen Glauben an die Unschuld und der (halbwegs) gewaltlosen Überführung der ganz Bösen. Das altbewährte Thriller-Rezept des hintergangenen Polizisten, der sich auf eigene Faust und mit Hilfe weniger gebliebener Freunde seinen unschuldigen Ruf zurückerobern muss wird mit ein paar innovativen Neuheiten und Spannungsträgern gemixt. Gemeinsam mit dem tollen Cast, allen voran Bell und Harris, ergibt MAN ON A LEDGE – EIN RISKANTER PLAN für alle Thriller-Fans einen gelungenen Kinoabend.

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Filmkritik: THE NEXT THREE DAYS – 72 Stunden (USA 2011)

INHALT

Das Haus von Lara Brennan, ihrem Mann John und deren gemeinsamen Sohn wird eines Abends überraschend von einer Polizeitruppe gestürmt und Lara in Handschellen abgeführt. Sie ist des Mordes an ihrer Chefin angeklagt. Alle Indizien deuten darauf hin, dass sie schuldig ist. Einzig John glaubt noch an die Unschuld seiner Frau und ignoriert alle Hilfestellungen und Andeutungen von Freunden und Verwandten Laras Inhaftierung zu akzeptieren. Als auch die letzte Hoffnung auf einen rettenden Beweis für ihre Unschuld getilgt wird, gibt Lara eindeutige Signale sich das Leben nehmen zu wollen. Besessen von der Idee, die Familie wieder zu vereinen, beginnt John Laras Ausbruch zu planen und alle nötigen Vorkehrungen dafür zu treffen.

REVIEW

Nachdem mit THE TOURIST vor kurzem ein missratenes Beispiel für ein Remake eines französischen Thrillers in unseren Kinos anlief, liefert CRASH-Regisseur Paul Haggis einen Versuch, wie man es besser machen könnte. Der erst 2008 erschienene POUR ELLE – ALLES FÜR SIE gehört zum guten Mittelmaß, und das hat Haggis mit seinem Remake THE NEXT THREE DAYS ebenfalls erreicht. Ein solider Thriller mit solider schauspielerischer Leistung. Nicht mehr und nicht weniger. Ein Thriller, getarnt als Liebesgeschichte, als Familiendrama, dann Ausbruchsstory, die immer mehr an Action und Spannung zunimmt. Doch im Vordergrund bleibt die Geschichte von John Brennon, der von einem gewöhnlichen, liebenden Ehemann und Familienvater zum Kleinganoven und Actionhelden mutiert. Bei dieser Verwandlung wird der Zuseher auf Distanz gehalten und kann sich nicht immer sicher sein, was in John Brennon wohl vorgehen mag, geschweige denn wie sein nächster Schritt aussehen wird. Er schafft sich selbst eine Wahrheit, die er obsessiv verfolgt, als würde er versuchen den Scherbenhaufen seines Lebens zu einer Vase mit blühenden Blumen zusammensetzen zu wollen. Viel Hoffnung darauf, an die Blütezeit seiner Ehe mit Lara anschließen zu können, gibt der Film den Zusehern aber vorerst nicht.

Schon zu Beginn der Vorstellung wird der Einblick gewährt, dass alles, was John Brennon für die Flucht seiner Frau unternimmt zu diesem Moment führen wird: im Auto sitzend wird er sich mit Blut verschmiertem Gesicht zur Rückbank drehen. Was er dort sieht, bleibt vorerst ein Geheimnis. Aber so viel ist klar, er hätte wohl den Rat von Liam Neeson als Ex-Knacki und Ausbruchsprofi ernster nehmen sollen. Wenn er das alles nicht gut genug durchdenkt, wird jemand zu Schaden kommen. Dann erscheint der Zwischentitel „The last three years“. Diese Kopflastigkeit, mit welcher Higgins THE NEXT THREE DAYS inszeniert, spielt oftmals der Glaubwürdigkeit seiner Story und Charaktere entgegen. Manches wirkt aufgesetzt, doch immer wieder folgt eine spannende oder ergreifende Szene und lässt einen nicht weiter daran zweifeln, dass sich alles tatsächlich so zutragen könnte. Der Film erzählt über zwei Stunden hinweg in einem hohen Tempo, aber niemals zu hektisch, sondern lässt den Zuseher immer den Überblick bewahren.

Elizabeth Banks die Rolle der Möderin (oder doch unschuldig Verurteilten?) zu geben, war mit Sicherheit die richtige Wahl. Schon bei THE UNINVITED konnte ihren eisblauen Augen keiner entnehmen, ob sie nun tatsächlich das personifizierte Böse sei. So auch hier. Keine zweite Hollywoodblondine in den 30ern kann auf diesem schmalen Grad zwischen wilder Bestie und unschuldigem Lamm wandern wie Banks es tut. Sie lässt kein Mitleid aufkommen, was zwar dem Einfühlen und der Symphatie entgegenspielt, jedoch die Ungewissheit über das Ende des Films nicht weiter ausreizen könnte. Ebenfalls mühelos, aber auch ohne große Momente, erfüllt Russell Crowe seinen Part. Enttäuscht hat nur der überzeichnete Kurzauftritt vom narbengesichtigen Liam Neeson.

Fazit:
Nach ein paar ausgezeichneten, dazugewonnenen Tipps, wie man am besten in Autos und Häuser einbricht, aus Gefängnissen flieht und die Polizei in die Irre führt, bleibt zu sagen, dass THE NEXT THREE DAYS trotz weniger überzeugungsschwacher Momente zwei spannende und dramatische Stunden garantiert. Soweit eignet er sich perfekt für alle Pärchen, die sich nicht genau festlegen können, ob sie nun einen Liebesfilm oder doch den Actionstreifen ansehen wollen. Spannung pur.

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