Filmkritik: IMMORTALS – Krieg der Götter (USA, 2011)

INHALT

Der unbarmherzige König Hyperion führt seine blutdürstige Armee auf einen mörderischen Feldzug quer durch Griechenland und hinterlässt dabei eine blutige Spur der Verwüstung. Er ist auf der Suche nach einer legendären Waffe, einem sagenumwobenen Bogen, der ihm übermenschliche Kräfte verleihen soll. Mit Hilfe dieser Waffe will er die einst von den Göttern verbannten Titanen aus den Tiefen der Unterwelt befreien. Den Göttern und den Menschen droht ihr Untergang. Nachdem ein altes Gesetz besagt, dass sich die Götter nicht in das Schicksal der Menschheit einmischen dürfen, muss Zeus eine schwere Entscheidung treffen: Der Göttervater wählt den sterblichen Krieger Theseus aus, um gegen Hyperion und die übermächtigen Titanen zu kämpfen. Theseus, der den Mord an seiner Mutter rächen will, zieht schließlich an der Seite der schönen Priesterin Phaedra und seiner Gefolgschaft in den Krieg, um die Herrschaft der Titanen zu verhindern und die Menschheit zu retten…

FILMKRITIK

Der gefragte Werbefilmer Tarsem Singh hatte schon immer ein Händchen für eindrucksvolle Bildgewalten. Nachdem er sich in THE CELL in die blutige und farbenfrohe Imagination eines soziopathischen Serienmörders einklinkte, schrieb und produzierte er den Kritikerhit THE FALL. Die Regie ließ sich der gebürtige Inder ebenfalls nicht nehmen und erschuf ein märchenhaftes Drama voller fantastischer Geschichten und prachtvoller Kostüme. Auch für seinen dritten Spielfilm IMMORTALS – KRIEG DER GÖTTER hatte Singh eine Vision für jeden einzelnen Moment. Er wusste schon vor Drehbeginn wie die Sandalen und Schwerter jeder einzelnen Figur aussehen werden. Das visuelle Erscheinungsbild betreffend, lässt sich Singh auf keine Kompromisse ein und erschafft auch für IMMORTALS eine üppige Bilderwelt, die stark an den Stil des brachialen Spartaner-Epos 300 erinnert. Kein Wunder, dass dessen Produzenten Mark Canton und Gianni Nunnari auch für IMMORTALS an Land gezogen werden konnten. Der große Erfolg von 300 scheint sie dazu veranlasst zu haben, eine ganze Reihe fantastischer Mythologie-Epen produzieren zu wollen. Doch anders als in jenem Spektakel von Zack Snyder, finden sich in Singhs Film keine Neuheiten visueller Darstellungsformen historischer Geschichten. Der comichafte Stil, die Schlachten in Zeitlupe und das testosteronüberladene Gesamtbild wurden die letzten Jahre in mehreren Werken verwendet. Dass jedoch auch diese Motive durchaus in atemberaubender Manier recycelt werden können, ließ schon der Trailer zu IMMORTALS vermuten. Leider sieht man darin auch beinahe restlos alle originellen Szenen, die der Film zu bieten hat. So wuchtig einen diese Szenen im Kino nochmals erwischen, so fahl wirkt die einfallslose Geschichte zwischen ihnen.

Um den beeindruckenden Filmbildern nicht die Show zu stehlen, wurden für IMMORTALS keine Hollywood-Stars engagiert. Die einzige Ausnahme machte Singh bei der Rolle des Bösewichts König Hyperion. Das aufgequollene Schwergewicht Mickey Rourke liefert eine furchteinflößende Performance und verleiht der Figur des blutrünstigen Gegenspielers eine zusätzliche Dimension. Seit seinem Comeback samt Oscar-Nominierung 2009 in THE WRESTLER, schweißt es Rourke wieder an blutrünstige Rollen in Actionspektakeln wie THE EXPENDABLES oder IRON MAN 2. Egal, ob er in IMMORTALS nun einen Mönch dazu treibt, sich die Zunge abzuschneiden oder seinem Henker befielt einen Feigling zu kastrieren, balanciert er auf einer feinen Linie zwischen Grausamkeit und Verzweiflung. In diesem Maße fein nuanciert gibt sich jedoch nur die Figur des König Hyperion. Denn so gutaussehend und durchtrainiert der restliche Cast auch ist, so platt sind ihre Charaktere und blass ihr Spiel. Die Hauptrolle bekam TUDORS-Darsteller Henry Cavill, der ebenfalls von Zack Snyder engagiert wurde und in dessen neuer SUPERMAN-Verfilmung niemand geringeren als den Helden selbst verkörpern wird. Doch seine Rolle als Krieger Theseus leidet unter der selben rachsüchtigen Einseitigkeit wie jene von Luke Evans, der sich unlängst vom Musketier Aramis hier zum Göttervater Zeus gemausert hat. Diesen eingeölten Männer- und männlichen Götterkörpern werden im mythologischen Kriegsepos natürlich mehrere bildhübsche Göttinnen und Orakel an die Seite gestellt. Einen Hauch Exotik verleiht Singh seinem Cast mit der aufstrebenden Freida Pinto als Phadra, unlängst in dem Überraschungserfolg RISE OF THE PLANET OF THE APES zu sehen. Edel auszusehen und sowohl den anmutigen, als auch kämpferischen Bewegungen die passend leichte oder brutale Note zu verleihen, ist hier die einzige zu erfüllende Anforderung. Die aufreizende Optik will nicht durch tiefschürfende Dialoge verkompliziert werden. Für dieses Konzept ist der Film mit über 110 Minuten jedoch um einiges zu lange geraten.

Anders als in 300 spielen in IMMORTALS nicht die selbstgebräunten Sixpacks die Hauptrolle, sondern Singhs aufwendige Kostümdesigns. Das visuelle Profil dieser ästhetisierten Kriegsaction wolle er an die Werke des barocken Malers Caravaggio orientieren. Und tatsächlich lassen viele Einstellungen eine Anlehnung an alte Gemälde erkennen. Vor allem auf die Sitzordnung und -haltung im Olymp scheint der indische Regisseur großen Wert gelegt zu haben. Das hat jedoch zur Folge, dass die Götter Unbehagen ausstrahlen – als würden sie sich in ihrer Haut nicht wohl fühlen. Das lässt ihre Kostüme plastisch und sie selbst künstlich wirken. Es gelingt ihnen nicht immer die ausgefallenen Kleidungsstücke so zu tragen, als wären es tatsächlich ihre eigenen. Der Figur des Poseidons wurde beispielsweise ein überdimensionales goldenes Drahtgestell, der Form einer Muschel ähnelnd, aufgezwungen, was ihm zudem das Schauspielern erschwerte. Dem entgegengesetzt gibt es in Singhs 3D-Spektakel auch wunderschön farbenfrohe Kleidung zu betrachten, die gemeinsam mit dem gewaltig anmutenden Hintergrund in ein erstaunlich schönes Gemälde verschmilzt. Die in Zeitlupe zerreißenden Körper, wallenden Gewänder und imposanten Special-Effekts gewährend zwischen langweiligen Episoden, in der sich Singh auf die zusammengestückelte Geschichte besinnt, einen faszinierenden Anblick. Würden die konstruiert wirkenden Dialoge nicht stets die Dynamik und Spannung des Films ins Lächerliche ziehen, wäre es wohl ein ebenso beeindruckender Anblick wie 300 geworden. Denn darüber hinaus möchte sich der Film trotz seiner Make-Up-, Kostüm- und Effekt-Intensivität auch als Drama beweisen, welches jedoch nicht allein von Rourke getragen werden kann.

Fazit:
IMMORTALS ist ein wahres Feuerwerk an zerrissenen Körpern, artistischen Kampfszenen und wunderschönen Menschen. Allen, die sich schon immer die blutrünstige Actionverfilmung eines barocken Götter-Gemäldes wünschten, sei das Epos ans Herz gelegt. Die flachen Dialoge und platten Charaktere eines Films, der seinen Fokus auf das visuelle Profil richtet, zu kritisieren erscheint zwar überflüssig. Jedoch hat Tarsem Singh sich in IMMORTALS fälschlicherweise zu sehr auf seine Schwächen besinnt und damit die prachtvolle Bildgewalt seines Mythologie-Spektakels entkräftet.

Filmkritik zu IMMORTALS – Krieg der Götter auf DVD-Forum.at

IMMORTALS auf IMDb.com

Filmkritik: BATTLE: LOS ANGELES (USA 2011)

zweistern

INHALT

Marine Staff Sergeant Nantz wollte eigentlich in den Ruhestand gehen, doch seine Pläne werden von der Bombadierung aller großen Küstenstädte der Welt druchkreuzt. Alienschiffe landen zu Tausenden in Wassernähe und verwüsten alles Lebende, was sich ihnen in den Weg stellt. Nantz und seine Männer werden auf eine Mission geschickt, bei der sie Zivilisten aus einer bereits verwahrlosten Polizeistation befreien sollen. Das Gebiet rund um dieses Gebäude wurde jedoch bereits von den kämpferischen Aliens eingenommen. Die Marines-Truppe muss die unschuldige Menschengruppe aus dieser Zone evakuieren, bevor die Air Force eine Bombe auf das Gebiet fallen lässt. Der Kampf gegen die Zeit beginnt.

REVIEW

Böse Aliens, mächtige Explosionen, ein zerbombtes L.A. und jede Menge tote Soldaten. BATTLE: LOS ANGELES verschwendet zu Beginn nicht viel Zeit. Nach einem kurzen Blick auf den unversehenen, goldgelben Strand von Los Angeles mit cooler Partymusik im Hintergrund, geht die Action auch schon los. Heroisches Gehabe von INDEPENDENCE DAY, realistischen Kriegsszenen wie in BLACK HAWK DOWN und die düstere Atmosphäre aus KRIEG DER WELTEN. Die angriffslustigen Alientruppen werden dargestellt wie eine herzlose, irdische Armee, die es mit strategischen Militärzügen zu bekämpfen gilt. Blöd nur, dass sie schon nach wenigen Minuten auch den gesamten Luftraum beherrschen. Da hilft keine US-Army, keine Air Force und schon gar nicht die Regierung, welche sich irgendwo ins unbefallene Landesinnere zurückgezogen hat. Da kann man nur noch auf Aaron Eckhart und seine Marines hoffen.

„We leave no man behind!“

Der amerikanische Originaltitel BATTLE: LOS ANGELES sagt schon alles, was man über den Film wissen muss. Um noch eine globale Komponente in das ganze mit hineinzunehmen, wird bei uns mit WORLD INVASION – BATTLE LOS ANGELES tituliert. Dem Namen macht der Film in der Tat alle Ehre, denn mehr Battle in Los Angeles hätte der Regisseur Jonathan Liebmann nicht hineinpacken können. Liebmann, der sich nach drei weniger beeindruckenden Horrorstreifen, darunter THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE: THE BEGINNING, nun an seinen erstes Actionspektakel wagt, greift dabei auf altbewährte Inszenierungsmuster und Charaktertypen zurück. Viel hat sich der Film wahrlich nicht selbst ausgedacht. Die Einfallslosigkeit zieht sich von der Thematik, dass die Invasoren die Erde ihrer Ressourcen wegen angreifen und deshalb alle Menschen vernichten wollen, über das Design eben jener fiesen Kreaturen, bis hin zu den Charakteren und deren Rollenverteilungen. Ein Stereotyp folgt dem nächsten und doch scheinen ein paar Highlights durch. Nett ausgedachte Waffen und dunkel brummende Raumschiffsantriebe lassen den Film zwischen Kriegsdrama und Actionspektakel hin und her wandern. Zu Beginn wird oft die Handkamera verwendet, um uns noch weiter ins Kriegsgeballer hineinzuziehen. Doch bei den raschen Kampfabläufen und vielen Schüssen wäre eine ruhigere Kameraführung etwas angenehmer und übersichtlicher gewesen. Liebmann bemüht sich um eine packende Story. Die erste Hälfte lässt einen kaum durchatmen, so viel gibt es für die Aliens in Los Angeles zu zerstören und auszurotten. Doch dann reißt der Spannungsbogen ab und kann einen bis zum Schluss nicht mehr so richtig fesseln. Wer jedoch viel Wert auf die mitreißenden Special Effects legt und wenig auf die lahme Story, der hat bei BATTLE: LOS ANGELES einen bombenmäßigen Spaß.

„We are getting colonized!“

Selbst beim Cast wird auf Altbewährtes zurückgegriffen. Auch wenn Aaron Eckhart in diesem Kriegs- und Alieninvasions-Blockbuster seine erste actiongeprägte Hauptrolle ergattert, die er beispielweise in THE DARK KNIGHT als zweischneidiger Two-Face unter Christopher Nolans Regie beweisen durfte. In dem weltenumfassenden L.A.-Gefecht geht er jedoch zwischen einem biederen Schwarz-Weiß-Schema und den herkömmlichen Kriegsparolen unter. Bridget Moynahan, welche schon neben Will Smith in I, ROBOT und Nicolas Cage in LORD OF WAR eine nichtssagende Blockbuster-Nebenrolle mimte, übernimmt diesen Part auch hier. Und wenn schon einfallslos, dann aber richtig: Michelle Rodriguez macht, was sie immer macht. Cool sein. Diesmal mutiert sie von einer toughen Air-Force-Pilotin zur kämpferischen Soldatin, so wie wir es von ihr kennen. Über die gespielten Charaktere erfahren wir nur das Nötigste, um uns so weit einzufühlen, dass wir sie nicht unbedingt sterben sehen wollen. Aber kennen lernen wir sie nicht wirklich.

Fazit:
Ab und an hat man das Gefühl, dass sich BATTLE: LOS ANGELES nicht recht zwischen realistischem Kriegsdrama und knallharter Science-Fiction-Action entscheiden kann. Das hat zur Folge, dass viele dramatische Szenen lächerlich und konstruiert wirken. Anstatt beim Zuseher auf die Tränendrüse zu drücken, provozieren sie Gähnen. Die restliche Zeit fühlt man sich wie in einer Michael Bay meets Roland Emmerich – Apokalypse gelandet, was nicht zwingend einen Nachteil bedeuten muss. Die Welt geht unter und alles fliegt in Luft, heroische Ansprachen werden gehalten und Helden geboren. Gute Leute sterben. Böse Aliens werden mit in den Tod gerissen. Und so lange genug in die Luft fliegt, hat das Zielpublikum auch sicher seine helle Freude am Feuergefecht. Mehr hat BATTLE: L.A. jedoch nicht zu bieten.

BATTLE: LOS ANGELES auf IMDb.com