Filmkritik: LOOPER (USA 2012)

INHALT

Im Jahr 2044 ist das Zeitreisen noch nicht erfunden, wird es aber 30 Jahre später sein. Zwar ist es verboten, doch das hält Gangsterbosse nicht davon ab ihre zukünftigen Opfer in die Vergangenheit zu schicken, wo sie von einem Auftragskiller, der die Zeit und den Ort deren Erscheinung kennt, erschossen und verbrannt werden. Problem gelöst. In der Zukunft zumindest. Diese Auftragskiller, genannt Looper, leben den wahren Traum. Sie bekommen viel Geld, machen jede Nacht Party und haben die schönsten Frauen. Doch dieses Leben hat auch einen Haken: Looper werden nach 30-jähriger Schaffenspause ebenfalls zurückgeschickt, um dann von ihrem jungen Ich getötet zu werden. Um sein bisheriges Leben beizubehalten, würde der Looper Joe (Joseph Gordon-Levitt) seinem zukünftigen Ich gerne ein Loch in die Brust schießen, doch Joe aus der Zukunft (Bruce Willis) kann ihm entkommen und der hat ganz eigenen Pläne für seinen unerwarteten Aufenthalt in der Vergangenheit…

REVIEW

Jeder weiß, dass Zeitreisen eine komplizierte Angelegenheit sind. Denn entweder du änderst die Zukunft, wie du sie kennst, in der Vergangenheit oder die Vergangenheit verändert dein zukünftiges Ich. Vielleicht auch beides, aber meistens sterben Menschen. Deshalb sind Zeitreisen im Ausnahmefilm LOOPER auch verboten. Heute, im Jahr 2044, gibt es sie noch nicht, doch ein Mann wurde in der Zeit einige Jahrzehnte zurückgeschickt, um dort das Auftragskiller-Business der Looper zu gründen – Männer, die Probleme der Zukunft der Vergangenheit angehören lassen, wortwörtlich. Während das Thema Zeitreise in vielen Science-Fiction-Filmen zu unlösbaren Widersprüchen, Endlosschleifen und irrwitzigen Paralleluniversen führt, versteift sich Autor und Regisseur Rian Johnson in LOOPER nicht auf theoretische Überlegungen, sondern lässt seine Charaktere handeln und am Ende ergibt alles Sinn.

Bruce Willis hat so ein Talent dafür sich zwischen all seinen mittelklassigen Filmen alle Jahre wieder Meisterwerke herauszusuchen, in denen er über sein Image als Actionheld hinauswachsen darf. LOOPER ist sein erster, ausgereifter Science-Fiction-Film seit Luc Bessons DAS FÜNFTE ELEMENT von 1997. Nun wird er jedoch auf die Nebenränge verwiesen von Joseph Gordon-Levitt und Emily Blunt. Die Londonerin Blunt hat sich die letzten Jahren als vielseitige Schauspielerin präsentiert. Abseits der stereotypischen Frauenrolle einer Liebschaft im Actionfilm, darf sie in LOOPER eine alleinerziehende Mutter mit Vergangenheit geben. Auf ihrer Farm, die sie alleine bewirtschaftet, erzieht sie umgeben von hohen Maisfeldern ihren ungeheuerlich inszenierten Sohn (fabelhaft gespielt von Pierce Gagnon). Auch die Charakterdarsteller Jeff Daniels und Paul Dano hinterlassen in ihren Nebenrollen viel Eindruck.

Joseph Gordon-Levitt musste jeden Morgen mehrere Stunden im Make-Up-Sessel verbringen, um seine Verwandlung in einen „jungen Bruce Willis“ zu vollziehen. Denn mit einem cleveren Geniestreich werden in LOOPER nicht junger Mensch alt dargestellt, sondern bloß dem jungen Ich die Schlüsselmerkmale des alten Ichs aufgetragen. Bruce Willis hat ein Charaktergesicht – Mund, Nase, Augen sind alle einfach wiederzuerkennen. Und Gordon-Levitt bekommt hier einmal mehr die Chance zu beweisen, dass er sich zu einem der besten Akteure seiner Generation herangespielt hat. Denn er macht nicht nur sein verändertes Aussehen sein eigen, auch nimmt er in Mimik, Gestik, beim Lachen, Grinsen und Sprechen vieles an, an das wir uns in vielen Jahrzehnten von Brue Willis gewöhnt haben: zusammengekniffene Augen, ein verschmitztes Grinsen und das arrogante Lachen eines Besserwissers. Und doch ist es Bruce Willis‘ Charakter des älteren Joes, der Seele in die entschlossene Person der beiden bringt, hat er doch schon mehr erlebt und geliebt. Er versucht wie ein Vater seinem Kind seinem jungen Ich die wahren Werte des Lebens beizubringen, doch wie bei jedem Generationsunterschied bleiben die beiden Parteien beharrlich auf seinem Standpunkt stehen. Während Gordon-Levitts Joe all die Erinnerung, die Bruces Joe ihm einzuhämmern versucht, erst vor sich hat, verfolgen den Alten die brandneuen Erfahrungen des Jungen wie Visionen. Doch auch er kann keine zwei Leben leben und panisch blickt er immer wieder auf seine Uhr, ob das Foto seiner großen Liebe hoffentlich noch nicht verblasst sei.

Ganz nebenbei führt uns Rian Johnson in die Welt des Jahres 2044. Die Atmosphäre der gnadenlosen Zukunft wird sofort von den Zusehern aufgenommen und auch die technischen Neuerungen sind das Normalste der Welt – von Solarzellen auf Autohauben und In-Ear-Kopfhörern ohne Kabel, über einen Telekinese-Test und Lichtschwert-Laserscanner in Bars, bis hin zu den futuristischen Waffen und schwebenden Fahrgestellen. Viele Kleinigkeiten und Liebe zum Detail geben LOOPER die nötige Standhaftigkeit gegenüber dem großen und unerklärlich scheinendem Thema der Zeitreise. Denn beinahe unbemerkt bleibt, dass diese Science-Fiction ein Film Noir – Drama sein könnte, dass sich hinter einem harten (R-Rated) Action-Thriller und seinen Zukunftsspielereien versteckt. Aber auch wenn der Trailer ein kurzweiliges und kniffliges Actionspektakel der Sonderklasse verspricht, kommt es doch anders und LOOPER entwickelt nach seinem rasanten Anfang eine unheimliche Ruhe und bedrohliche Charakterentwicklungen, die auf einen brutalen und faszinierenden Höhepunkt zusteuert.

Die Parallelen zu Terry Gilliams TWELVE MONKEYS und James Camerons TERMINATOR-Filmen sind unverkennbar. Zum einen, weil sich Bruce Willis wieder auf eine ähnliche Zeitreise begibt, zum anderen, weil er sich darauf „programmiert“ versteht, den dämonischen Gangsterboss der Zukunft namens „Rainmaker“ mit seiner Waffe aus den Kinderschuhen zu pusten. Doch bestünde nicht, anstatt ihn zu erschießen, auch die Möglichkeit den Jungen auf einen besseren Lebenspfad zu schicken? Immer wenn die Gefahr besteht, dass LOOPER in blinde Schießerei oder kalte Theorie abdriftet, werden dem Publikum diese und andere Fragen an den Kopf geworfen. Denn bei LOOPER handelt sich um ein zeitloses Werk, dass nicht an schön lackierten Oberflächen kratzt, sondern tief in den Rost bohrt und dem nachgeht, was der Egoismus von Menschen am Tiefpunkt ihres Lebens von anderen fordern kann. Hier beginnt die Hollywood-Maske zu bröckeln, welche der schwere, dramatische Score, manch schlagfertige Witze und die Aufpolierung mit den Klasse-Darstellern LOOPER aufgesetzt haben.

Fazit:
LOOPER ist einer jener Filme, die nie langweilig werden, nicht während dem Film, nicht nach dem Film und nicht beim nächsten Mal Ansehen. Er ist vollgepackt mit vielseitigen Darstellern, tiefgehenden Charakteren, schwarzem Humor und einer erwachsenen, ausgereiften Handlung, die sich mal actionreich, mal langsam, aber immer kurzweilig und spannend bis zu einem beeindruckenden Höhepunkt vorarbeitet. LOOPER ist nicht nur der beste Science-Fiction-Filme der letzten Jahre, er steht auch auf Augenhöhe mit den Größen des Genres und wird Autor und Regisseur Rian Johnson eine wachsend hungrige Fanbase bescheren.

Filmkritik: 96 Hours – TAKEN 2 (2012)

dreistern

INHALT

Eineinhalb Jahre ist es her, dass der pensionierte CIA-Agent Bryan Mills (Liam Neeson) seine Tochter Kim (Maggie Grace) aus den Fängen brutaler albanischer Mädchenhändler gerettet hat. Inzwischen lebt er zurückgezogen und nimmt nur noch selten Aufträge als Leibwächter an, so wie den eines Scheichs in Istanbul. Als ihn seine Frau Lenore (Famke Janssen) und Kim in der Weltmetropole besuchen, wird das Familienidyll erneut schlagartig zerstört: Mills und Lenore werden gekidnappt. Der Vater eines damals von Mills ermordeten Albaners sinnt auf Rache. Doch er hat sich mit dem falschen Gegner angelegt. Mit Hilfe seiner ganz besonderen Fähigkeiten setzt Mills alles daran, sich und seine Frau aus der Gewalt ihrer Peiniger zu befreien. Dabei ist er dieses Mal auch auf die Hilfe einer ganz bestimmten Person angewiesen – Kim, die nun in die Fußstapfen ihres Vaters treten muss..

REVIEW

Egal, ob als Wolfsexperte, Zeus oder Ex-Knacki. Liam Neeson ist bad ass. Das wissen wir aber spätestens schon seit 96 HOURS und auch in der Fortsetzung 96 HOURS – TAKEN 2 hat er nichts von seinem unerschöpflichen CIA-Charme verloren.

Luc Besson versteht es wie kein zweiter rasante und spannende Filme zu drehen. Von seinen TAXI-Filmen, über Hollywood-Spektakel wie DAS FÜNFTE ELEMENTE, bis hin zu GHETTOGANZ – er schreibt, dreht und produziert gerne abenteuerliche Action, die auch meist einen realtiv hohen Unterhaltungswert besitzen. In 96 HOURS – TAKEN 2 fungiert er einmal mehr als Produzent und gemeinsam mit Robert Mark Kamen wieder als Autor. Auch wenn es, so wie im ersten Teil, zahlreiche Stellen gibt, an denen geübte Filmfreunde sich kopfschüttelnd denken, wie denn das nun wieder möglich sein hätte sollen, haben Luc Bessons und Regisseur Oliver Megaton – die beiden arbeiteten schon vorher gemeinsam an COLOMBIANA und TRANSPORTER 3 – ihren ersten gemeinsamen, sehenswerten Film abgeliefert. Denn so wie schon im ersten Teil der Agenten-Action funktioniert auch 96 HOURS – TAKEN 2 nicht deswegen so gut, weil die Story realistisch verkauft wird, sondern weil sie Spaß macht. Und weil man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt, welchen Trick Bryan Mills aus seiner langjährigen CIA-Erfahrung nun als nächstes ausgräbt.

Liam Neeson hat eine Vorliebe für kämpferische und clevere Rollen. Diese Vorliebe zeichnet sich spätestens seit 96 HOURS ab, der 2008 in unseren Kinos lief. Zuvor glaubte er noch als Bösewicht in BATMAN BEGINS die Welt durchschaut zu haben, hatte aber den Superhelden nicht auf der Rechnung. Bei den Arbeiten an den Kampfszenen des Films hatte er wohl Blut geleckt und konnte der Rolle des pensionierten CIA-Agenten Bryan Mills in 96 HOURS nicht widerstehen. Immer ein Ass im Ärmel, ein Mini-Handy in der Socke und einen kühlen Kopf. Bryan hält sich präzise an sein Jahrzehnte lang antrainiertes Wissen, denn bei einer Geiselnahme zählt jede Sekunde. In KAMPF- und ZORN DER TITANEN mimt er Göttervater Zeus, in BATTLESHIP den Vater der Heldenfreundin. Und was wäre besser geeignet als die Rolle des Hannibal in A-TEAM. Denn wer hat immer einen Plan? Richtig, Hannibal. Während er in 72 HOURS – THE NEXT THREE DAYS noch Russell Crowe Tipps gab für seinen Gefängnisausbruch, ist er in THE GREY wieder ein Fall von abenteuerlicher Alleinunterhaltung als Wolfsexperte inmitten eines Rudels menschenfressender Wölfe. Liam Neeson versteht es seine Charaktere auf den Punkt zu bringen und ihnen bei banalen Geschichten dasjenige Leben einzuhauchen, dass der jeweilige Film nötig hat.

Maggie Grace und Famke Janssen sind auch dieses Mal wieder dabei. Doch hier sind einige Änderungen zu bemerken, denn Bryan Mills Beziehung zu seiner Tochter Kim ist enger den je und auch die Ex Leonore scheint ihm wieder zugetan zu sein. Töchterchen Kim ist zu einer toughen Frau herangereift, die sich auf den Spuren ihres Vaters befindet. Das beweist sie spätestens, als sie die erste Handgranate aus dem Fenster wirft. Ihre Rolle wird hervorragend eingesetzt, um das Blatt zu wenden und aus dem Opfer des ersten Teils einen Sidekick des zweiten zu machen. Auch in 69 HOURS – TAKEN 2 bekommt sie wieder präzise Anweisungen von ihrem Vater, die sie bravourös meistert, unterstützt von einem hervorragendem Soundtrack. Ihr neuer Freund sorgt im Kinosaal dann aber eher für Gelächter, denn verspricht Bryan in der einen Szenen noch ihm nicht hinterher zu spionieren, lugt er eine Sekunde später schon durch dessen Fenster.

Istanbul spielt, so wie Paris im ersten Teil, eine wichtige Rolle. Die traumhafte Kulisse wird eingesetzt und ausgenutz, sei es bei Verfolgungsjagden auf den Dächern oder in den engen Gassen der Metropole. Und nicht nur Familie Mills, auch Murad, Vater der getöteten Entführer aus dem ersten Teil, ist angereist, um etwas zu erledigen – Bryan. Die Rachegelüste sind verständlich, doch die Rolle des Murad, gespielt von einem überzeugenden Rade Serbedzija, bleibt darauf beschränkt.

Fazit:
Liam Neeson als Kampfmaschine, die keine mehr sein möchte und Rade Serbedzija als Rächer, der lieber wieder mit seinen Söhnen zusammen wäre. Wie weit geht man, um seine Familie zu beschützen? Der puristische Plot ist leicht erklärt und die Action geht auch schon bald los und hört erst auf, wenn alles erledigt ist. Neeson ist einmal mehr der kämpferische Alleskönner, der jeden Trick kennt und wieder macht es ziemlichen Spaß, ihm, und diesmal auch seiner Tochter, dabei zuzusehen.

96 HOURS – TAKEN 2 auf DVD-Forum.at

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