Leonard Nimoy – Wenn Science und Fiction verschmelzen

Fox
Nimoy in Fringe, (c) Fox
Leonard Nimoy war wohl der Inbegriff des Zusammenhalts von Science und Fiction, von Wissenschaft und Kunst, von Wissen und Glaube. Um ihn trauern nicht nur seine Familie, Millionen Fans, zahlreiche Film-Kollegen und Hollywood-Bekannte, ihn verabschieden Wissenschaftler mit berührenden Gesten, auch aus dem All. Weil sie nicht nur die ikonische Rolle des spitzohrigen und -findigen Spock aus Raumschiff Enterprise vor Augen haben, sondern einen Künstler, der sich sein Leben lang in verschiedensten Kunstformen mit Identität, Unendlichkeit und Entdeckung auseinander gesetzt hat. Zahlreiche NASA-Angestellte fühlten sich durch ihn inspiriert. Das Star Trek-Franchise startete 1966, also etwa in der Zeit, als meine Eltern auf die Welt kamen. Nimoy war damals 35. Er selbst hatte die Idee für den vulkanischen Gruß, der nun nach seinem Ableben einmal mehr um die ganze Welt geht, bis in den Weltraum, von wo aus sich Astronaut Terry W. Virts verabschiedet.

Ich habe, wenn es hoch kommt, bloß eine Handvoll Star Trek-Episoden und einen der Filme mit Originalbesetzung gesehen. Die Science Fiction betreffend habe ich mich bisher (Stand 2015) hauptsächlich mit Körper-invasiver Zukunftstechnologie und terrestrischen Dystopien auseinandergesetzt. Doch der unbändigste Entdeckergeist liegt wohl in der Erforschung der Unendlichkeit des Weltraums. Kaum ein zweites Phänomen der Popkultur steht dafür ein wie das Raumschiff Enterprise. Ich bin der Meinung, ich muss nicht viel des Franchise gesehen haben, um den Mythos nachvollziehen zu können und zu mögen.

Ein konkreter Fakt dieser wundervoll aufbereiteten Reise im Planetarium wird mich nicht mehr loslassen. Reisen wir mit Lichtgeschwindigkeit von der Erde los, dauert es eine Sekunde zum Mond. Bis zu den Planeten dauert es teils mehrere Minuten, doch sind wir an Pluto vorbei, kommt erst einmal acht Jahr lang absolut nichts (für’s Auge). Diese scheinbare Unendlichkeit und unser begrenztes Wissen sind nicht erdrückend, sondern befreiend. Es gibt so viel mehr da draußen als unser Leben und unser Denken. Die Konsequenz, die ich daraus ziehe: Begegne deinem Leben und dem Moment mit Respekt, aber nimm dich nicht zu ernst und höre nicht auf, weiterzusuchen und neugierig zu sein. Leonard Nimoys letzter Tweet seines Accounts vor der Todesnachricht berührt mich:

Filmkritik: TRANSFORMERS 4: ÄRA DES UNTERGANGS

NULL PUNKTE

Transformers 4: Noch mehr ist noch weniger

 

 

Die Selbstsicherheit, mit der Michael Bay eine zweizeilige Storyline auf 165 Minuten mit seinen bekannten Stilmitteln wie Low Angle und komplexen Bewegungsabläufe vor und mit der Kamera aufbläst und jede einzelne Einstellung dynamisiert, entspricht einer Chipspackung, die zu 99 Prozent mit heißer Luft gefüllt ist. Ich hatte das Gefühl, würde ich mit einer Nadel ein winziges Loch in die Leinwand stechen, würde Optimus Prime sogleich in sich zusammensacken.

Und ganz ehrlich, ich habe den Film nicht verstanden. So routiniert und undifferenziert wie Michael Bay die Schauplätze wechselt und eine Metallorgie an die nächste reiht, ladet Transformers 4 oft ein in Gedanken abzuschweifen und im mentalen Notizblock diese Kritik zu verfassen. Die augenscheinlich zahlkräftige Zielgruppe sind 14-jährige Nachwuchs-Republikaner, die gerne ihre Flagge im Wind wehen sehen und für die der Film vielleicht sogar Sinn ergibt. Ein ähnliches Problem ergab sich vor vielen Jahren, als der Tonfilm in den Kinderschuhen steckte.

1930 beschrieb Béla Balázs über eine neue Sprache des Kinos: eine neue Ausdrucks- und Mitteilungstechnik, die sich in wenigen Jahren unheimlich verkompliziert hat. Kinogeher hätten das kinematografische Geschichtenerzählen über die Jahre hinweg erlernt, während viel Klügere die Filme plötzlich nicht mehr verstanden. Seitdem haben sich internationale Filmemacher auf gängige Erzählformen im Kino geeinigt und was macht Michael Bay mit seinem globalen Ungetüm? Er bedient sich einer monotonen wie sündhaften teuren Sprache, die sich wieder auf die Anfänge des Kinos besinnt, als Komplexität in filmische Geschichten erst Einzug erhalten musste und das Dargestellte viel wichtiger war, als das Erzählte oder gar dessen Zusammenhang. Bay unterscheidet nicht zwischen den wenigen relevanten und komplett nichtigen Szenen in seiner extrafein aufpolierten Zerschrottungssorgie, wie sie nicht mal der Man of Steel hinbekommen würde. Jedem noch so rückständigen Hotpants-Shot durch die nackten Beine der sexualisierten, minderjährigen Tochter hinweg (während ihre Beziehung mit einem 20-Jährigen zur Gänze entsexualisiert wird) wird die gleiche Liebe entgegengebracht wie jeder Transformierung, jeder unpassenden Slapstick-Einlage und jedem der verdammten, gefühlt tausenden Sonnenuntergänge.

Natürlich ist Bay nicht der einzige, der sich kostspieliger Inhaltsleere bedient, jedoch hebt er sie mit Transformers 4: Ära des Untergangs auf ein komplett neues Level. Ende der 1920er Jahre zog Béla Balazs Bilanz, was der Tonfilm Neues ermöglicht und dass es nicht auf die Werke, sondern auf den Menschen ankommt. Nicht alles – so auch der Stummfilm damals – müsse bis an die Endstation fahren. Wir alle wechseln den Zug. Bitte umsteigen! Im Angesicht des finanziellen Erfolgs des einmaligen Films Transformers 4 ist es wohl Zeit, in einen pompös ausgestatteten, neuen Zug zu steigen, der leider in die falsche Richtung fährt.