Filmkritik: [•REC]3: GÉNESIS (ESP 2012)

INHALT

Claraund Koldo haben das große Glück gefunden – einander! Das schwer verliebte Hochzeitspaar feiert an einem schönen sonnigen Tag mit der gesamten Verwandt- und Bekanntschaft ihre frische Ehe. Doch noch eben hat der Onkel von einem ominösen Froschbiss an seiner Hand erzählt. Er dachte, das Tier sei Tod und plötzlich sprang es ihn an. Als er wenige Zeit später vom Geländer fällt und seiner Frau ein Stück Fleisch aus dem Hals beißt, beginnen sich alle nach und nach infizierten Gäste in geifernde und reißende Bestien zu verwandeln. Koldo und Clara können sich retten, doch sie befinden sich jeweils am anderen Ende des Anwesens. Nichts soll die beiden aufhalten wieder zueinander zu finden…

REVIEW

Zwischen Bruch und Konsequenz

Alles, was sich bereits bewährt hat, ist ein leichtes fortzuführen. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel, denkt sich Paco Plaza, und stellt so ziemlich alles, was er gemeinsam mit Jaume Belagueró in [•REC] und [•REC]2 an Kult aufgebaut hat, in [•REC]3: GÉNESIS auf den Kopf. Aus Grusel-Atmosphäre wird Komödien-Stimmung, aus der wackeligen Kamera ein hochauflösenden Bild, aus dem Stiegenhaus ein riesiges Anwesen und aus den verängstigten Protagonisten ein bedingungsloses Liebespaar. Nur die Dämonen bleiben die gleichen.

Beginnend mit einer kitschigen Powerpoint-Präsentation von Kinderfotos der beiden Protagonisten, gibt uns die Einführung in das Geschehen ein erfreuter Hochzeitsgast mit seiner wackeligen Handkamera, die einem schon nach einer Minute den Magen umdreht. Der Onkel hat einen ominösen Froschbiss an der Hand und die Hochzeitsgesellschaft freut sich auf ein gehöriges Abfeiern. Das amateurhaft gefilmte Material gibt dabei den passend authentischen Eindruck, als die beiden Hauptdarsteller Leticia Dolera als Clara mit ihren riesigen Rehaugen und Diego Martin als Koldo mit seinem Dackelblick sich die ewige Treue schwören. Doch kaum fällt der infizierte Onkel vom Geländer, beißt er seiner Frau auch schon ein Stück Fleisch aus dem Hals und dann beginnt der Alptraum. Und was macht der Cousin? Er filmt noch immer, doch das ist ja geisteskrank, meint der Bräutigam und zerschmettert ihm kurzerhand die Handkamera. Von da an dürfen wir den Wahnsinn in hochauflösenden Bildern geniesen.

Der Bruch mit den beiden Vorgängern, ist ebenso gewagt wie gelungen. Wenn [•REC] und [•REC]2 sich auch als originelles Horror-Kino abseits des Mainstreams etabliert haben, wollte Plaza hier um jeden Preis vermeiden, sich selbst zu wiederholen. Hatte man vorher noch Mut zur Lücke, greifen Plaza und Co-Schreiber Luiso Berdejo auf eine gängige Dramaturgie und vorhersehbare Storyelemente zurück. Wer sich also gruseln möchte, sollte sich lieber nochmals die Vorgänger ansehen, denn [•REC]3: GÉNESIS ist nur auf komödiantischer Splatter-Ebene unterhaltsam. Das jedoch wiederum in sehr hohem Maße. Egal, ob dem Onkel das Gesicht mit einem Handmixer zerschnitten wird, oder sich die Kettensäge nicht mehr ordentlich aus der Leiche herausziehen lässt, für die Verwendung von eimerweise Kunstblut wurde gesorgt.

Während der Film also einerseits von einem Bruch mit seinen Vorgängern gekennzeichnet wird, macht ihn die Konsequenz, mit welcher er seinen neuen Ansatz verfolgt, zu einem völlig eigenständigen Kultobjekt. Der Film ist überladen mit Liebesschwüren, schicksalshaften Fügungen und schnulziger Musik. Die Konzentration auf das Zusammenfinden der beiden getrennten Verliebten Clara und Koldo überdröhnt das Niedermetzeln der Infizierten.

Fazit:
Von den Höhen des spanischen Schlager bis in die Tiefen der Dämonen-Welten (oder war es umgekehrt?) ist [•REC]3: GÉNESIS penetrant konsequenter Slasher-Kitsch. Die Liebe der Hauptdarsteller durchdringt den Film wie ein rosaroter Faden und macht ihn abseits seiner schwächelnden Spannung und absichtlich satirisch durchdrungener Immersion zu einem Fest für alle humorvollen Splatter-Fans. Gore und wahre Liebe. Bis das der Tod sie scheidet – früher als gedacht.

[•REC]3: GÉNESIS auf DVD-Forum.at

[•REC]3: GÉNESIS auf IMDb.com

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