Filmkritik: LIVIDE – Das Blut der Ballerinas (FRA 2011)

INHALT

Die junge Lucie hat ihren ersten Arbeitstag als mobile Altenpflegerin. Mit der rauen, älteren Kollegin Mrs. Wilson kommt sie gut zurecht. Als die beiden einige der bedürftigen Senioren ihre Medizin gegeben und sie verpflegt haben, kommen sie zu einem riesigen Anwesen. Lucie solle im Auto warten, meint Mrs. Wilson, doch neugierig wie sie ist, schleicht sie durch das verlassene Haus bis ins Zimmer der komatösen, alten Besitzerin. Dort wartet ihre Kollegin schon auf sie. Die alte Frau hat einen Schlüssel umgehängt, der zu einem weggesperrten Schatz führen soll. Lucie, ihr Freund und dessen Bruder entscheiden sich noch am selben Tag zu einem Spontan-Einbruch und träumen vom schnellen Reichtum. Dass sie jedoch in eine Falle gelockt werden, ahnen sie nicht…

REVIEW

Gruslig mysteriöser Fantasy-Gore

Ausgestopfte Tiere waren immer schon ein wichtiges Element im Horrorfilm, tot und regungslos, mit starren Knopfaugen. Und vor allem dann, wenn sie sich bewegen, wirds unheimlich. Davon macht auch der französische Grusler LIVIDE Gebrauch. Und nicht nur davon. Alle gängigen Subgenres werden ineinandergewürfelt. Als Ausgangspunkt dient ein altes, grusliges Haus mit zahlreichen Schlössern, für die es wohl nie Schlüssel gegeben hat und bis zur Erschöpfung knarrendes Holz. Was wie eine Geisterhaus-Geschichte beginnt, mischt sich schon bald mit Vampirelementen – Monster mit reißenden Zähnen und Appetit auf Menschenfleisch, mit Körperhorror – zugetackerte Augen und verfallene Gesichter, und Gore samt aufgeschlitzten Kehlen und abgerissenen Kiefern. Man könnte sagen, es ist für jeden was dabei.

Die Story vom Duo Alexandre Bustillo und Julien Maury ist so stimmig wie unvorhersehbar. Noch eben sagte ihre Chefin, sie solle im Auto warten und im nächsten Moment schleicht die junge Lucie (Chloé Coulloud) an ihrem ersten Tag als mobile Altenpflegerin in einem riesigen, dunklen Haus herum. Bis sie schließlich das Zimmer betritt in dem ihre raue Chefin (Cathrin Jacobs) schon auf sie wartet. Doch nicht nur sie – auch die komatöse, alte Besitzerin des unheimlichen Anwesens mit ihren langen weißen Haaren und dem gräulich eingefallenen Gesicht. Wegen ihrer Atemmaske könnte man sie rein akkustisch schon mal mit Darth Vader verwechseln. Um den Hals hat sie einen großen Schlüssel hängen, der Lucie, ihren Freund und dessen Bruder noch am selben Tag zu einem Spontan-Einbruch in das Gruselkabinett verleitet.

Die Geschichte ist sowohl eigenwillig, als auch poetisch. Das Regie-Duo bringt konsequent eigene Ästhetik in altbekannte Motive mit ein und erklärt bewusst nicht jeden Schnipsel der Story. Es wird keine Rücksicht genommen auf beinahe schon verpöhnte, weil gängige Horrorklischees und der Film bedient sich an sämlichen düsteren Stereotypen. Diese schon oft gesehenen Motive und Bilder schaffen es kurzzeitig immer wieder die Dynamik und einfallsreichen Kunstgriffe zum Stillstand zu bringen, während aber viele einzelne Impressionen wiederum zum Wundern, Staunen und Mitdenken anregen. Doch trotz aller schon gesehenen Elemente bleibt die Geschichte spannend, wobei am Ende einige Geheimnisse gelüftet werden und sich neue auftun. LIVIDE ist ein Film, der das Misteröse wahrt, so wie seine hervorragend gespielte Protagonistin Lucie mit den verschiedenfarbigen Augen. Dass dieses Detail noch eine wichtige Rolle spielen wird, weiß aber auch der Horror-Laie schon zu Beginn des Films. Neben stählernen Blicken der Ballerina-Ausbildnerin ist jedoch Cathrin Jacobs, welche Lucies Chefin spielt, das Charaker-Highlight des Films. Ihre raue und kalkulierende Art lässt als einsame Irre zurück.

Fazit:
LIVIDE, zu deutsch leichblass, ist alles andere als ein farbloser Horrorfilm. Die authentischen Schauspieler, ästhetisch eindrucksvollen Bilder und aufschlussreichen Rückblicke in die Vergangenheit der grausamen Monster, baut genügend Spannung auf, um über wenige, überholt wirkende Elemente hinwegzusehen.

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