Filmkritik: MARVEL’S THE AVENGERS (USA 2012)

INHALT

Nick Fury, führender Kopf der mächtigen internationalen Friedensorganisation S.H.I.E.L.D., sieht sich gezwungen, das eine Team zusammenzustellen, welches die Welt vor dem Absturz in die Katastrophe bewahren kann und beginnt eine den Erdball umfassende, nie dagewesene Rekrutierungsaktion. Denn Thors rachsüchtiger Bruder Loki, der dank eines Kosmischen Würfels über unbegrenzte Macht verfügt, bedroht Weltfrieden und die globale Sicherheit. Doch bevor Iron Man, Thor, Black Widow, der unglaubliche Hulk, Captain America und Hawkeye als ultimatives Dreamteam auch nur die Chace zur Gegenwehr bekommen, müssen die Superhelden von Fury und seinem Vertrauten Agent Coulson überzeugt werden, miteinander zu arbeiten – und nicht gegeneinander…

REVIEW

Was haben IRON MAN 1 und 2, DER UNGLAUBLICHE HULK, THOR und CAPTAIN AMERICA gemeinsam, außer, dass sie ihren Helden im Titel tragen? Sie waren alle nur das Vorspiel für THE AVENGERS – ein Fest für alle Fans!

Hinter jedem Kinofilm steht eine treibende Kraft. Sei es ein kapitalistischer Produzent, ein sich selbst inszenierender Hauptdarsteller oder ein leidenschaftlicher Regisseur. Kevin Feige heißt der Studioboss von Marvel, der THE AVENGERS ermöglichte und dafür werden ihm noch sehr viele danken. Seine Dasein als Fanboy hatte er schon mit der Produktion von der X-MEN-Reihe, SPIDER-MAN und den FANTASTIC FOUR gezeigt. 2008 hatte er während der laufenden Verfilmung des nächsten Comic-Klassikers IRON MAN dann plötzlich die bahnbrechende Eingebung, die Zusammenführung der ikonischen Superhelden sofort anzudeuten, um Fan-Reaktionen abschätzen zu können. Und die Fans waren mehr als bereit für THE AVENGERS, als nach dem Abspann von IRON MAN plötzlich Samuel L. Jackson mit Augenklappe als Chef der Friedensorganisation S.H.I.E.L.D. vor dem eisernen Helden stand und ihm augenzwinkernd verkündete, dass er nur ein Teil eines noch viel größeren Universums sei, als er je gedacht hätte.

Beinahe ein halbes Jahrhundert ist es her, dass Comic-Götter Stan Lee und Jack Kirby 1963 das erste AVENGERS-Comicheft veröffentlicht haben. Damals noch aus Iron Man, Thor, Hulk, Ant-Man und Wasp bestehend (Captain America fand seinen Weg drei Augaben später ins Team), wurde es seit dem niemals wirklich still ums vielfältige Marvel-Universum. Und selbstverständlich lässt sich Stan Lee seinen äußerst kurzen Cameo-Auftritt auch in THE AVENGERS nicht nehmen. Haltet ausschau.

Joss Whedon, verantwortlich für die Geniestreiche „BUFFY“ und „FIREFLY“, war Feuer und Flamme für das Projekt. Nicht nur durfte er das Drehbuch schreiben zu einem Film, deren Comic-Vorlagen er als Kind nur so verschlang, auch würde er Regie führen und seine persönlichen Helden im neuen „Zeitalter der Comic-Adaptionen“ als erster zusammen auf die große Leinwand bringen. Und darin besteht die Stärke seines Drehbuchs und der Inszenierung. Denn nicht nur erarbeitete er gemeinsam mit den Darstellern deren Charaktere, auch fand er in der Dynamik ihrer erstmaligen Zusammenführung in dieser Konstellation die Stärke des gesamten Projekts. Denn wer sich denkt, es gäbe keine Weg Loki mit seinem mächtigen, güldenen Geweih, Captain America in seinen blauen Strumpfhosen und Iron Man als High-Tech-Superheld glaubwürdig nebeneinander zu stellen, der irrt sich. Mit Charme führt er die unterschiedlichen Charaktere in eine Geschichte voller überlebenswichtiger Notwendigkeit zusammen, welche neben all den visuellen und computergenerierten Effekten nicht das Wesentliche aus den Augen verliert – die Interaktion der Heldinnen und Helden, Agentinnen und Agenten und Bösewichte. Keine Explosion übertrumpft die Figur, welche sie verursacht hat und damit steht THE AVENGERS qualitativ mehrere Stufen über den gängigen Blockbustern.

THE AVENGERS unserer Zeit bestehen aus Steve Rogers aka Captain America – dem Praktischen, Tony Stark aka Iron Man – dem Zynischen, Thor – dem Göttlichen, Natasha Romanoff aka Black Widow – der Hinterlistigen, Clint Barton aka Hawkeye – dem Scharfsinnigen und natürlich Dr. Bruce Banner aka Hulk – der tickenden Zeitbombe. Beim Cast ihrer Superhelden haben die Verantwortlichen der Marvel-Verfilmungen nur selten an Qualität und Bekanntheitsgrad gespart. Angefangen bei Mark Ruffalo als besten Hulk-Darsteller seit Bill Bixby, führt die Reise von den perfekt besetzten Nebendarstellern Gwyneth Paltrow (IRON MAN 1 + 2) als Pepper Potts und Stellan Skarsgård (THOR) als Professor Erik Selvig hin zu den sich allmählich kennenlernenden Größen Robert Downey Jr. im Eisenanzug, Chris Hemsworth mit seinem Donner-Hammer und Chris Evans als muskelbepackter Naivling aus der Vergangenheit. Einen Bösewicht, wie er im Buche steht, liefert uns Tom Hiddleston (THOR) als Loki, Bruder von Thor, der rachsüchtig und eigensinnig die Welt mit seinem teuflischen Plan in den Untergang treiben will. Hiddleston weiß zugleich einen furiosen Ausdruck in seinen Augen mit einem psychopathischen Grinsen zu vermischen, was ihm Eigenschaften von Heath Ledgers Joker verleiht. Nicht zu vergessen ist die flinke Scarlett Johansson (IRON MAN) und Meisterschütze Jeremy Renner (THOR) als extra Draufgabe!

Die Eigenständigkeit der Charaktere, sowie die glaubwürdige, konfliktgeladene und explosive Zusammenkunft der mächtigen Kämpfer, ergibt eine ebenso humorvolle, wie spannende Charakterstudie. Diese löst sich nach und nach in ein Action-Spektakel auf, das seines gleichen sucht und ein gut eingesetztes 3D zu bieten hat. Die Fans bekommen einen Einblick in die Arbeit von S.H.I.E.L.D. in ihrem Helicarrier und den Agenten Coulson (Clark Gregg), Hill (Cobie Smulders von „HOW I MET YOUR MOTHER“) und natürlich Nick Fury (Samuel L. Jackson) als integre und an das gute glaubende Friedensorganisation. (Denn der Präsident ist bezüglich der Verschonung Unschuldiger etwas anders gestrickt.)

Neben einem nicht zu übersehenden Heldentum und Heroismus bleibt THE AVENGERS immer so weit selbstironisch und voller knackiger Witze und Selbstverweise, dass die Balance zwischen ernst und lustig in einer Waagschale bis aufs Milligramm gleichwertig sein müsste. Für die wahren (Film-)Fans bietet THE AVENGERS sowohl zahlreiche Augenzwinkerer, jedoch auch teils wohl etwas zu platte oder konstruiert wirkende Dialoge, die es nicht bräuchte, um der Handlung zu folgen. Doch damit ermöglicht es das Action-Spektakel den Neueinsteigern (fast) ebenso viel Freude am Film zu haben, wie den alt Eingesessenen.

Fazit:
THE AVENGERS ist kurz gesagt so gelungen wie THOR, CAPTAIN AMERICA und HULK zusammen, und noch ein Stück unterhaltsamer als IRON MAN. Grund dafür ist die einmalige Verwebung der völlig unterschiedlichen und eigenständigen Charaktere in eine komplexe Story mit gelungenen Spannungsbögen, zahlreichen Stellen zum herzhaft Lachen und ebenso explosiven wie optisch ansprechenden Kämpfen. Weg von einer Schwarz-Weiß-Zeichnung, hin zur Vermischung aus Ego, Zurückhaltung, Courage und Selbstüberwindung entwickeln sich die Rollen und zeichnen ein altes Märchen, modernisiert für unsere Zeit. THE AVENGERS ist für alle Fans wohl das beste, was an Superhelden-Verfilmungen gedreht wurde, seit Stan Lee auf die Idee kam, seine eigenen Comics für die Leinwand zu produzieren.

THE AVENGERS auf DVD-Forum.at

THE AVENGERS auf IMDb.com

2 Kommentare zu „Filmkritik: MARVEL’S THE AVENGERS (USA 2012)“

  1. Wow, na das hört sich aber gut an und lässt mich als großen Joss Whedon-Fan hoffen. In letzter Zeit war mir das Social Media Marketing für den Film fast schon etwas zu agressiv, zumal ich „Iron Man“ – die einziger Verfilmun aus der Reihe, dich ich bisher kenne – eigentlich nur nett fand.

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