Filmkritik: THE NEXT THREE DAYS – 72 Stunden (USA 2011)

INHALT

Das Haus von Lara Brennan, ihrem Mann John und deren gemeinsamen Sohn wird eines Abends überraschend von einer Polizeitruppe gestürmt und Lara in Handschellen abgeführt. Sie ist des Mordes an ihrer Chefin angeklagt. Alle Indizien deuten darauf hin, dass sie schuldig ist. Einzig John glaubt noch an die Unschuld seiner Frau und ignoriert alle Hilfestellungen und Andeutungen von Freunden und Verwandten Laras Inhaftierung zu akzeptieren. Als auch die letzte Hoffnung auf einen rettenden Beweis für ihre Unschuld getilgt wird, gibt Lara eindeutige Signale sich das Leben nehmen zu wollen. Besessen von der Idee, die Familie wieder zu vereinen, beginnt John Laras Ausbruch zu planen und alle nötigen Vorkehrungen dafür zu treffen.

REVIEW

Nachdem mit THE TOURIST vor kurzem ein missratenes Beispiel für ein Remake eines französischen Thrillers in unseren Kinos anlief, liefert CRASH-Regisseur Paul Haggis einen Versuch, wie man es besser machen könnte. Der erst 2008 erschienene POUR ELLE – ALLES FÜR SIE gehört zum guten Mittelmaß, und das hat Haggis mit seinem Remake THE NEXT THREE DAYS ebenfalls erreicht. Ein solider Thriller mit solider schauspielerischer Leistung. Nicht mehr und nicht weniger. Ein Thriller, getarnt als Liebesgeschichte, als Familiendrama, dann Ausbruchsstory, die immer mehr an Action und Spannung zunimmt. Doch im Vordergrund bleibt die Geschichte von John Brennon, der von einem gewöhnlichen, liebenden Ehemann und Familienvater zum Kleinganoven und Actionhelden mutiert. Bei dieser Verwandlung wird der Zuseher auf Distanz gehalten und kann sich nicht immer sicher sein, was in John Brennon wohl vorgehen mag, geschweige denn wie sein nächster Schritt aussehen wird. Er schafft sich selbst eine Wahrheit, die er obsessiv verfolgt, als würde er versuchen den Scherbenhaufen seines Lebens zu einer Vase mit blühenden Blumen zusammensetzen zu wollen. Viel Hoffnung darauf, an die Blütezeit seiner Ehe mit Lara anschließen zu können, gibt der Film den Zusehern aber vorerst nicht.

Schon zu Beginn der Vorstellung wird der Einblick gewährt, dass alles, was John Brennon für die Flucht seiner Frau unternimmt zu diesem Moment führen wird: im Auto sitzend wird er sich mit Blut verschmiertem Gesicht zur Rückbank drehen. Was er dort sieht, bleibt vorerst ein Geheimnis. Aber so viel ist klar, er hätte wohl den Rat von Liam Neeson als Ex-Knacki und Ausbruchsprofi ernster nehmen sollen. Wenn er das alles nicht gut genug durchdenkt, wird jemand zu Schaden kommen. Dann erscheint der Zwischentitel „The last three years“. Diese Kopflastigkeit, mit welcher Higgins THE NEXT THREE DAYS inszeniert, spielt oftmals der Glaubwürdigkeit seiner Story und Charaktere entgegen. Manches wirkt aufgesetzt, doch immer wieder folgt eine spannende oder ergreifende Szene und lässt einen nicht weiter daran zweifeln, dass sich alles tatsächlich so zutragen könnte. Der Film erzählt über zwei Stunden hinweg in einem hohen Tempo, aber niemals zu hektisch, sondern lässt den Zuseher immer den Überblick bewahren.

Elizabeth Banks die Rolle der Möderin (oder doch unschuldig Verurteilten?) zu geben, war mit Sicherheit die richtige Wahl. Schon bei THE UNINVITED konnte ihren eisblauen Augen keiner entnehmen, ob sie nun tatsächlich das personifizierte Böse sei. So auch hier. Keine zweite Hollywoodblondine in den 30ern kann auf diesem schmalen Grad zwischen wilder Bestie und unschuldigem Lamm wandern wie Banks es tut. Sie lässt kein Mitleid aufkommen, was zwar dem Einfühlen und der Symphatie entgegenspielt, jedoch die Ungewissheit über das Ende des Films nicht weiter ausreizen könnte. Ebenfalls mühelos, aber auch ohne große Momente, erfüllt Russell Crowe seinen Part. Enttäuscht hat nur der überzeichnete Kurzauftritt vom narbengesichtigen Liam Neeson.

Fazit:
Nach ein paar ausgezeichneten, dazugewonnenen Tipps, wie man am besten in Autos und Häuser einbricht, aus Gefängnissen flieht und die Polizei in die Irre führt, bleibt zu sagen, dass THE NEXT THREE DAYS trotz weniger überzeugungsschwacher Momente zwei spannende und dramatische Stunden garantiert. Soweit eignet er sich perfekt für alle Pärchen, die sich nicht genau festlegen können, ob sie nun einen Liebesfilm oder doch den Actionstreifen ansehen wollen. Spannung pur.

Filmkritik von THE NEXT THREE DAYS auf DVD-Forum.at

THE NEXT THREE DAYS auf IMDb.com

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