Filmkritik: PRIEST (USA 2011)

INHALT

In einer Welt voller macht- und bluthungriger Vampire kann die größtenteils vernichtete Menschheit nur mehr auf eine speziell für die Vernichtung der Blutsauger ausgebildete Einheit hoffen. Die Priester. In der letzten großen Schlacht, bevor die Blutsauger erfolgreich zurückgedrängt werden konnten, hat sich einer dieser Kämpfer als legendärer Gotteskrieger hervorgetan. Er haust nun in einer von den vielen kleinen, dunklen Städten, in denen sich die vorerst siegreichen Menschen verbarrikadiert haben. Von der Kirche unterdrückt leben die Menschen dort in Armut und Industriesmog. Als Lucy, die Nichte des legendären Vampirtöters, von den vernichtet geglaubten Kreaturen entführt wird, bricht er seinen heiligen Eid und macht sich zu einer obsessiven Jagd auf. Lucy uss gefunden werden, bevor sie gebissen oder gar getötet wird. Doch die Vampire verfolgen noch einen ganz anderen Plan…

REVIEW

Wie es im Fantasygenre zur Zeit sehr häufig vorkommt, basiert auch der Vampirslasher PRIEST auf einem Comic. Der koreanische Künstler und große Filmfan Min-Woo Hyung schuf die 16-teiligen Manhwa-Western-Serie PRIEST, welche sich der Drehbuchautor Cory Goodman zur Vorlage nimmt. Abgesehen vom Setting und der Vorgeschichte entwirft er jedoch seine eigene Geschichte der heiligen Gotteskrieger. Sie hausen als Gemiedene in einer Welt voller eingesperrter, in Angst lebender Menschen. Sie kennen weder Sonne noch Freude. Während in der industrielastigen Stadt bis auf die beiden leuchteten Kreuze des Kirchen-Wolkenkratzers jegliche Form und Farbe fehlt, findet sich außerhalb deren Stahlmauern postapokalyptisches Brachland. Grelle Sonne und staubige Einöde, wie wir sie aus dem ebenso western-lastigen Horrorstreifen RESIDENT EVIL 3 kennen. Das ist nicht verwunderlich, denn sowohl bei RE3, wie auch bei PRIEST, war Richard Bridgland Fitzgerald als Produktionsdesigner tätig. Vieles im Film zeugt von seiner Liebe zum Detail, so auch das handgezeichnete Comic-Intro. Diese Detailgenauigkeit übernimmt der Regisseur Scott Steward jedoch nur für die ästhetischen Aspekte des Filmes. Nach dem ebenfalls biblisch durchtränkten Weltuntergangsfiasko LEGION zeigt sich Scott Stewards in seiner zweiten Regiearbeit zwar wieder mit viel neuen und originelle Ansätzen, doch reiht er sie ohne weitere Beachtung aneinander und verschenkt somit großes Potential.

„This is what is known: There has always been man and there has always been vampires.“

Mit mehr Fantasy als Science Fiction – man könnte meinen, dass sich die Geschichte nicht in einer weit entfernten Zukunft abspielt, aber in einer Parallelwelt – nähert sich PRIEST auch dem Vampirthema. Schon immer hätten die Blutsauger mit den Menschen koexistiert, doch als die Ressourcen knapp wurden, war dem Frieden ein Ende gesetzt und ein erbitterter Krieg brach aus. Große Teile beider Seiten kamen um. So wie auch manch andere gute Ideen dieses Films, wird das Aussehen und Auftreten der Vampire komplett neu erfunden. Jegliche Ähnlichkeit zu den Menschen geht verloren und es entstehen augenlose Kreaturen mit raubkatzenähnlicher Statur und schleimiger Haut. Beinahe das gleiche Aussehen wie die muskelbepackten, grauen Monster aus dem Computergame DOOM 3. Wie Ameisen bauen sich die Vampire ihre übergroßen Hügeln, in denen sie zu Tausenden leben mitten ins Ödland. Oberste Priorität hat das beschützen ihrer Königin, vom Design her stark an eine Ameisenkönigin angelegt. Auch der Vampir-Mythos an sich ist ein anderer. Gebissene verwandeln sich nicht in Vampire, sondern bleiben Menschen, jedoch mit zugespitzten Zähnen und starkem Haarausfall. Im Gegensatz zu den formlosen Vampiren, wurde für das Wasteland zwar auch kein neuartiges, dafür aber ein toll anzusehendes Design kreiert. Es stechen immer wieder einzelne, Comic-artige Bildkompositionen von faszinierenden Felsgestalten und vor langer Zeit vernichteten Großstädten hervor. Doch diese Eindrücke stehen alleine da und es fehlt ihnen Erklärung, sowie Zusammenhang.

„Gegen die Kirche zu handeln, heißt gegen Gott zu handeln!“

Die Schauspielernutzung kann als äußerst ineffezient beschrieben werden. Bei Größen wie Christopher Plummer (12 MONKEYS, THE SOUND OF MUSIC) als engstirniges Kirchenoberhaupt und Paul Bettany in der Hauptrolle hat der Film mit flachen Charakteren und zusammenhangslosen Dialogen und Emotionen viel verschenkt. Cam Gigandet, der schon in der TWILIGHT-Reihe als Vampirhasser zu sehen war, darf ihnen auch hier an den Kragen gehen, steht er aber diesmal auf der Seite der Guten. Maggie Q (STIRB LANGSAM 4.0, MISSION IMPOSSIBLE III) und Karl Urban (HERR DER RINGE, STAR TREK) fügen sich ebenfalls als gute Besetzung ihrer Rollen in den Film, können ihr Talent jedoch nicht weiter einbringen. Außer für manche altbekannten Phrasen und Gesten reicht die Zeit nicht. Karl Urbans Superschurken-Westernlook sollte an dieser Stelle jedoch lobend erwähnt werden. Kämpfen sehen wir ihn mit solch Zen-artiger Kontrolle über Geist und Körper, gepaart mit MATRIX-ähnlicher Fokussierung auf den Gegner, wie die Priester es beherrschen. Doch nicht nur für die Priester, auch für den Rest des Filmes gilt, dass der interessante Ansatz ihrer Hintergrundgeschichte viel zu wenig zum Tragen kommt. Sie waren hochgejubelte Kriegshelden, doch jetzt will nicht einmal im Bus jemand neben ihnen sitzen, sobald das auf die Stirn tätowierte Kreuz erblickt wird. Alle haben Angst vor den übermenschlichen Fähigkeiten der Priester, doch wollen sie sich diese nur in die Gesellschaft integrieren. Sogar an eine erschwerte Arbeitssuche der Superkrieger in der normalen Gesellschaft wurde gedacht. Denn außer Vampire töten, besitzen sie „keine praktischen Fähigkeiten.“ Kurzum: Es ist traurig mitanzusehen, wie PRIEST sich alles, was er in einzelnen Passagen an Spannung aufgebaut hätte, sogleich mit dem lückenhaften Drehbuch auch wieder verspielt.

Fazit:
PRIEST bietet viele Szenen, die jede für sich einen gewissen Charme beanspruchen und bei Genrefans punkten können, zusammengewürfelt jedoch einen unzusammenhängenden und lückenhaften Film ergeben. Scott Steward, selbst schon lange in der Filmbranche als Meister der visuellen Effekte und die letzten Jahre auch als Produzent tätig, ist ein gutes Beispiel dafür, dass langjährige Erfahrung im Filmbusiness noch keinen Meisterressigeur macht. Neben besten Kung Fu – Fights und glaubwürdig animierten Killer-Vampiren lässt die Story viele Fragen offen und verdirbt den Spaß an den schön kreierten Bilder.

Filmkritik zu PRIEST auf DVD-Forum.at

Link zu PRIEST 3D auf IMDb.com

Ein Gedanke zu „Filmkritik: PRIEST (USA 2011)“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s