Filmkritik: CODEPENDENT LESBIAN SPACE ALIEN SEEKS SAME (USA 2011)

INHALT

Die glatzköpfigen Alienfrauen Zylar, Zoinx und Brann werden auf befristete Zeit von ihrem Heimatplaneten auf die Erde verbannt, da ihre unkontrollierten Emotionen dort die Ozonschicht gefährden. Weil die Debatte gar nicht erst aufkommt, ob die Erde wirklich so ein schlechter Ort sei, haben die drei den Auftrag sich ins Liebesleben zu stürzen, sich das Herz brechen zu lassen und „geheilt“ wieder nach Hause zurückzukehren. Während Zylar und Brann vorerst ihre Schwierigkeiten mit der menschlichen Rasse zu haben scheinen, lernt Zoinx die schüchterne Schreibwaren-Verkäuferin Jane kennen. Ohne zu wissen, dass sie dabei von zwei FBI-Agenten beobachtet wird, lässt sich Jane auf diese Liebesbeziehung mit der seltsam anmutenden Zoinx ein.

REVIEW

Mit dem unvergleichlichen Titel CODEPENDENT LESBIAN SPACE ALIEN SEEKS SAME reiht sich Madeleine Olnek mit ihrer absurd-romantischen Alien-Komödie 2011 in eine Reihe von Filmen aus dem Golden Age des Science-Fiction-Trash ein. In diesen besagten 1950er und 60er Jahren prangerten keine geringeren Buchstabenkonstellationen vor den Kinos als CAT-WOMAN OF THE MOON oder ATTACK OF THE GIANT LEECHES. Filmtitel à la HERCULES AGAINST THE MOON MEN waren gang und gäbe. Doch so einfallsreich die Verpackung auch aussah, so schlecht war der Inhalt und die Umsetzung dieser Kultstreifen. Ein Manko, dass Olneks Space-Alien nicht aufweisen. Als Parodie gedacht, verwendet die Regisseurin scheinbar nebenher gebastelte Mini-Raumschiffattrappen, einfache Alien-Kleidung der alten Schule und lässt das Filmbild zu dieser interplanetaren Romanze in schwarz-weiß erstrahlen. Spätestens als Alienfrau Zoinx die schüchterne Schreibwaren-Verkäuferin Jane kennenlernt, wird Madeleine Olneks Hommage an die besten und schlechtesten (Frauen)Liebesgeschichten aller Zeiten ersichtlich und erinnert dabei an EARTH GIRLS ARE EASY.

Bevor die Regisseurin, Produzentin und Autorin Olnek einige Nominierungen und Preise für ihre beiden Kurzfilme HOLD UP und COUNTERTRANSFERENCE abräumte, war sie am Theater beschäftigt. Einige Crew-Mitglieder ihres ersten Spielfilms CODEPENDENT LESBIAN SPACE ALIEN SEEKS SAME kannte sie aus dieser Bühnenzeit. Der dicklich naive „Men in Black“ Dennis Davis, so wie die Hauptdarstellerin Lisa Haas in ihrer Rolle als eingeschüchterte Alien-Verehrerin stehen nach zahlreichen Bühnenstücken zum ersten Mal für einen Spielfilm vor der Kamera. Beide liefern eine erstaunlich sympathische und authentische Performance. Dabei fungieren sie als passender Ruhepol und ausgleichendes Gegenstück zu den kratzig-quietschenden Alien-Darstellerinnen Susan Ziegler, Jackie Monahan und Cynthia Kaplan. Die etwas zu schrill geratene Stimme der Raumfahrerinnen scheint, ob gewollt oder nicht gewollt, einer von wenigen Kritikpunkten zu sein. Doch wie spielt man eine autarke Alienfrau, die nur mit Liebeskummer wieder auf ihren Heimatplaneten zurückkehren darf? Mit viel Herz und viel Humor scheint die Antwort zu lauten. Unter den Erdlingen wandelnd werden die glatzköpfigen Frauen als „Rollenspieler“ und Freaks abgestempelt. Doch Protagonistin Jane weiß, dass hinter der schroffen und blassen Visage mehr steckt, als ein kostümierter Nerd. Und so entwickelt sich zwischen den beiden Außenseitern nicht nur eine außergewöhnliche Freundschaft, sondern Liebe. Während Zoinx in Jane nun eine angehende Herzensbrecherin gefunden zu haben glaubt, müssen sich Zylar und Brann weiterhin in den nicht enden wollenden Dating-Dschungel stürzen, um hoffentlich bald Miss Perfect in die Arme schließen zu dürfen. Doch was, wenn sich die Richtige nicht auf der Erde befindet? Vielleicht könnte man sich ja dann durch das Versetzen in traurige, selbstvergessene Momente mit verlorenem Blick auf das weite Meer selbst das Herz brechen? Platt, aber liebevoll geht Olnek diesen Fragen nach und überlegt sich auf ganz eigene und groteske Weise ein Portrait von Verliebten am Rande der Gesellschaft.

Die drei lesbischen Frauen aus dem All produzieren durch die groteske Selbstverständlichkeit und Selbstsicherheit, mit der sie an alltägliche Situationen herangehen, einen regelrechten Pointen-Dschungel. Sie produzieren Geschichten, die sich über den Rand der Komik hinaus wagen und aus den grotesken Sci-Fi-Elementen ihre Stärke beziehen. Diese Situationskomik wird ausgelöst durch sympathisches Unverständnis für die Gedanken- und Gefühlswelt der Space-Aliens. Egal, ob sie nach „hot earthling-on-alien-action“ verlangen, sich in einem hippen Video-Blog-Eintrag präsentieren oder eine Tanz-Szene in ein Feuerwerk an Lachern verwandeln, die mit unseren Erinnerungen an PULP FICTION’s Rabbit Slims Twistkontest allemal konkurrieren können. Madeleine Olnek formt hier aus einem Film, beginnend mit imposanter Musik, drittklassigen Weltraumaufnahmen und einer trashigen Schrift – lautend CODEPENDENT LESBIAN SPACE ALIAN SEEKS SAME – eine Studie von Außenseitern und ihren charmant gespielten Eigenheiten. Vielen Großaufnahmen von Charaktergesichtern stehen objektive, stille Einstellungen gegenüber. Olnek motiviert abwechselnd zum herzhaften Mitlachen und Mitdenken. Nach Slapstick-Elementen werden die Zuseher von den beiden Agents, welche das Pärchen Jane und Zoinx unter Beobachtung haben, auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Ihre pseudo-philosophischen Diskussionen und Erzählungen geben dem Film einen intimen Touch. Doch mehr dieser köstlichen Alien-Absurditäten und weniger FBI-Konversation hätten manchen Spannungslecks zwischendurch sicher entgegengewirkt.

Fazit:
CODEPENDENT LESBIAN SPACE ALIEN SEEKS SAME ist weniger Science-Fiction-Kult, als eine Slapstick-Komödie und weniger Queer-Cinema, als eine überzeichnete, aber ehrliche Ode an die Liebe. SANTA CLAUS CONQUERS THE MARTIANS und JESSE JAMES MEETS FRANKENSTEIN’S DAUGHTER haben ausgedient. Denn ein neuer Star erstrahlt am Himmel des wohl bekömmlichen Trash-Kinos und lässt uns mit dem Gedanken zurück, dass ein nicht zu habender Käsekuchen allemal trauriger ist, als jede noch so einsam-melancholische Selbstreflexion.

Filmkritik von CODEPENDENT LESBIAN SPACE ALIEN SEEKS SAME auf DVD-Forum.at

CODEPENDENT LESBIAN SPACE ALIEN SEEKS SAME auf IMDb.com

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