Filmkritik: BRIDESMAIDS – Brautalarm (USA 2011)

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INHALT

In Annies Leben läuft absolut nichts wie es sollte. Besonders in Sachen Liebe ist sie ein Pechvogel und lässt sich alle paar Tage wieder von ihrem unsympathischen Friend with Benefits vor die Tür setzen. Als sich dann ihre beste Freundin Lillian verlobt, will sich Annie dem Amt der Trauzeugin voll und ganz hingeben. Doch sie hatte nicht mit Lillians neuer Freundin Helen gerechnet, welche sich bei jedem Detail zur Brautparty und den Hochzeitsvorbereitung einmischt. Im Gegensatz zu Annie hat sie dafür auch die nötigen finanziellen Mittel. Helen bringt das Fass nicht nur einmal zum Überlaufen und Annie muss zusehen, dass sie sich nicht in all dem Chaos in ihrem Leben versinkt.

REVIEW

Allen Fans von amerikanischen Komödien mit Hang zu seichten Witzen und großem Unterhaltungswert, wird Judd Apatow ein Begriff sein. Der Produzent war in den letzten Jahren für die Kassenschlager THE 40-YEAR-OLD VIRGIN, SUPERBAD und PINEAPPLE EXPRESS verantwortlich. In seinem letzten Film KNOCKED UP war die Schauspielerin und Drehbuchschreiberin Kristen Wiig in einer Nebenrolle zu sehen. Sie überzeugte Apatow in dem Maße, dass er ihr sowohl die Chance, ein Drehbuch für ihn zu schreiben, als auch selbst die Hauptrolle in diesem Film zu spielen, gab. Kristen kontaktierte daraufhin ihre enge Freundin Annie Mumolo, selbst Autorin, und gemeinsam erarbeiteten sie das Skript für BRIDESMAIDS. All die grotesken Geschichten, von welchen die Zuseher in dieser abgedrehten Komödie Zeuge werden, basieren auf tatsächlichen Ereignissen, die Annie bei Hochzeiten und Junggesellinnenabschieden erlebt hatte. Als Regisseur durfte sich FREAKS AND GEEKS-Meister Paul Feig probieren. Offenbar hätte er schon immer eine Schwäche für Frauengeschichten gehabt, und das war der ideale Film, dies auszuleben. In den letzten Jahren drehte er zudem einige Folgen von dem zynischen US-Serien-Hit THE OFFICE, wo er einige Schauspieler für BRIDESMAIDS anwerben konnte.

Beim Cast wurde nicht gespart und jede Rolle ideal für ihren Part besetzt. Kristen Wiig, welche unlängst mit ihren Freunden Simon Pegg und Nick Frost in PAUL zu sehen war, mimt die ihr Leben nicht mehr im Griff habende Trauzeugin mit allen ihren authentischen Facetten und einem Kuchenkomplex. Neben dem von ihr und Annie Mumolo geschriebenen, mittelmäßigem Drehbuch, liefert sie eine äußerst sehenswerte Performance. Hollywood-Star Rose Byrne mimt die einsame Trophäen-Ehefrau Helen. Sie organsiert lieber die Hochzeiten anderer Leute, da sie in ihrer eigenen Ehe keine große Rolle mehr spielt. Obwohl Byrne sowohl Schönheit als auch Witz vereint, kann sie über eine Karrikatur ihrer selbst nicht hinauswachsen. GILMORE GIRLS-Köchin Melissa McCarthy spielt Megan, welche sich in köstlicher Bulldozermanier alle Hindernisse aus dem Weg schaufelt. Rülpsend und fluchend übernimmt sie den Part der Maskulinen. Als Braut ist Maya Rudolph im Einsatz. Ellie Kemper gibt eine bieder frustrierte Dauergrinserin und Wendy McLendon-Covey will ihrem sexsüchtigen Mann und den pubertierenden, dauermasturbierenden Söhnen entfliehen. Es werden ganz klar tolle Charaktere für die Brautjungfern skizziert, die in jenen Szenen, wo sie alle vereint als BRIDESMAIDS-Bande unterwegs sind, gut zur Geltung kommen. Jede bringt ihren Charme mit in die bunte Runde, doch leider sieht man davon viel zu wenig. Die meiste Zeit beobachten wir Kristen Wiig als „Maid of Dishonour“ in Selbstmitleid versinken, vor dem Glück davonlaufen, oder sich selbst demütigen. Dabei behilflich sind ihr der MAD MEN-Star Jon Hamm als rücksichtsloser Friend with Benefits, sowie Matt Lucas als Mitbewohner, bekannt aus der legendär witzigen Comedy-Serie LITTLE BRITAIN. Der herzige Chris O’Dowd, Star der ebenfalls grandiosen Brit-Serie IT-CROWD, kann mit seinem irischen Scharm und Hundeblick sicher nicht nur die Hauptdarstellerin im Film überzeugen, sondern auch einige weibliche Zuseherinnen. All diese Schauspieler verbrachten vor dem Dreh zwei Wochen miteinander, um die anderen kennzulernen und gemeinsam zu improvisieren. Einiges davon wurde auch in dem Film aufgenommen. Hier merkt der Zuseher den daraus resultierenden spontanen Witz und die Stegreif-Komik. Getragen wird der Film vielleicht gerade deshalb von der authentischen Performance einiger Mitstreiterinnen von Wiig. Das Sehenswerte sind auf jeden Fall die schauspielerischen Leistungen, welche manch mittelmäßigen Witze zu lauten Lachern machen. Alles können sie jedoch nicht retten.

Im Vorfeld wurde BRIDESMAIDS oft als weibliches Pendant zu den beiden HANGOVER-Teilen behandelt, doch dieser Vergleich ist ganz und gar unnötig. Während in HANGOVER I und II die gut durchdachte Story und grotesken Wendungen, sowie das Einhalten des Hochzeits-Termins im Vordergrund stehen, ist BRIDESMAIDS ein klassisches Buddy-Movie, dass sich (leider) nicht auf die Brautjungfern konzentriert. Die Komödie legt den Fokus viel eher auf eine Freundschaft, die zu zerbröseln droht, da die Trauzeugin ihr Leben nicht mehr unter Kontrolle hat. Es ist nicht die Hochzeit in Gefahr, sondern eben diese Freundschaft zur Braut. Produzent Apatow war auch darauf bedacht, nicht „another wedding-themed movie“ zu drehen. Das ist ihm und seinem Team in dieser Kreuzung aus vulgärer Komödie und Romanze durchaus gelungen. Dennoch wirkt das Endergebnis trotz toller Schauspieler nicht ganz rund. Zu viel selbstironische Improvisation und zu wenig charmante Comedy reizen manch witzig gemeinte Szenen so lange aus, dass sie lustig gewesen wären, wenn ihr Regisseur Paul Feig schon vor fünf Minuten ein Ende gemacht hätte.

Fazit:
Es ist selbstverständlich erfreulich, endlich eine weiblich dominierte Komödie mit derben Humor und bissigen Witzen zu sehen, vereint mit Themen, die für Frauen das höhere Identifikationspotenzial bieten. Mit einem besseren Drehbuch wäre bei diesem Cast jedoch viel mehr möglich gewesen. Treue Apatow-Fans werden dennoch auf ihre Kosten kommen, denn übrig geblieben sind BRIDESMAIDS, witzig, gut anzusehen, oftmals derb und über die Strenge schlagend, aber im Endeffekt ohne Nachdruck verbleibend. An den schwächeren Stellen des Filmes driftet diese Ode an die Freundschaft in eine Liebeskomödie ab, oder vergisst darauf den witzig gemeinten Szenen eine Pointe zu setzen. Man sollte lieber auf die DVD warten und diese an einem lustigen Abend mit Freunden und Freundinnen auspacken.

Filmkritik von BRIDESMAIDS auf DVD-Forum.at

BRIDESMAIDS auf IMDb.com

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