Filmkritik: BLOOD & WINE – Ein tödlicher Cocktail (USA 1996)

 

dreisternINHALT

Der in die Jahre gekommene Weinhändler Alex Gates steht kurz vor dem finanziellen Ruin. Gemeinsam mit seinem Komplizen Victor stiehlt er ein wertvolles Collier von seinem reichsten Kunden. Deren Kindermädchen Gabriela, Alex Geliebte, ahnt ebenso wenig von seinen kriminellen Machenschaften wie seine Frau Suzanne und Stiefsohn Jason. Als sich Alex Flugtickets nach New York kauft, um das Collier dort an den Mann zu bringen, wirft ihm seine Frau vor, eine Geliebte zu besuchen. Nach einem gewalttätigen Streit flüchten Suzanne und ihr Sohn Jason mit dem Collier im Gepäck. Alex und Victor wollen es um jeden Preis zurückholen.

REVIEW

Der US-Amerikaner Bob Rafelson ist einer jener Regisseure, die sich im Rahmen des New Hollywoods in den 60ern als zielstrebige Emporkömmlinge etabliert haben und dadurch das „alte“ Hollywood mit anspruchsvollen Drehbüchern und gut durchdachten Filmen revolutionierten. Rafelson kreierte zu jener Zeit, am Beginn seiner Karriere, die erfolgreiche Band The Monkees in einer Fernsehserie und bekam dafür den Emmy. Bei HEAD, der Verfilmung des Werdegangs der Musiker, kam es 1968 zur ersten Zusammenarbeit von Bob Rafelson als Regisseur und Jack Nicholson, welcher das Drehbuch lieferte. Schon ein Jahr darauf produzierte unter anderem Rafelson den Kultfilm EASY RIDER, in welchem der damals 32 Jahre junge Nicholson wegen des Ausfalls einer der eigentlich engagierten Schauspieler an Dennis Hoppers und Peter Fondas Seite brillierte. In den darauffolgenden Jahrzehnten folgten viele weitere gemeinsame Produktionen von Rafelson und Nicholson. Als erfolgreichster Film der beiden wird der Thriller FIVE EASY PIECES von 1970 angesehen, in welchem Nicholson einen Gelegenheitsarbeiter mit Identitätskrise mimt, was ihm eine Oscarnominierung einbrachte. Gemeinsam mit THE KING OF MARVIN GARDENS und BLOOD AND WINE wird FIVE EASY PIECES von dem heute 78-jährigen Rafelson als Trilogie angesehen. Bis auf Jack Nicholson in der Hauptrolle haben die drei Werke jedoch nichts gemein. BLOOD AND WINE, Film Noir – Kino aus dem Jahre 1996, war bereits die achte Zusammenarbeit von Rafelson und Nicholson, jedoch eine ihrer erfolglosesten. Während der Film mit einem Budget von über 25 Millionen US-Dollar finanziert wurde, spielte er gerade einmal eine Million an den Kinokassen ein.

BLOOD AND WINE kann als austauschbares Stück Filmgeschichte angesehen werden. Die Story enthält keine neuen Ideen und besteht aus altbekannten Krimi- und Thrillerelementen. Die Charaktere wirken künstlich, und als Film Noir hatte BLOOD AND WINE Mitte der 90er Jahre starke Konkurrenz, wie beispielsweise von Tarantinos PULP FICTION, Bigelows STRANGE DAYS oder Manns HEAT.

Mord, Eifersucht, Betrügereien und Affären sind die gängigen Themen im düsteren Film Noir. Sie sind in BLOOD AND WINE ebenso gegeben wie der moralisch fragwürdige Antiheld, das pessimistische Menschenbild und die urbanen Schauplätze. Los Angeles bietet den oberflächlichen und von Geldgier getriebenen Charakteren Platz für Korruption und Gewalt. Regisseur Rafelson hält sich den ganzen Film über an ein lange bewährtes Thriller-Rezept, das Kinobesuchern schon viele spannende Stunden beschert hat, in BLOOD AND WINE jedoch nicht zu alter Form auflaufen kann. Viel zu oft hat man die gleiche Geschichte schon gesehen und die selben stereotypen Charaktere in ähnlichen Situationen erlebt. Entgegen dem häufigen Gebrauch von Rückblenden und anderen Kniffen des Spannung erzeugenden Erzählens im Film Noir, hält sich BLOOD AND WINE an eine geradlinige Story. Es fehlen dynamische Persönlichkeiten, welche die Geschichte tragen könnten. Die gegebenen Dialoge bieten für die teils sehr talentierten Schauspieler keine Substanz, um ihr schauspielerisches Können zu entfalten. Jedoch bleiben sie durch den banalen Erzählstil auch unberechenbar. Wegen den wenigen unvorhersehbaren Wendungen und exzessiven Gewaltakten wird die Spannung soweit aufrecht gehalten, dass man sich den Film dann doch bis zum Ende ansehen möchte. Wenn auch mit dem Wissen, dass man ihn schnell wieder vergessen haben wird.

Ein Geschäftsmann namens Alex Gate vor dem finanziellen Bankrott, sein schmieriger Gangsterkomplize Victor, die betrogene Ehefrau Suzanne, der rebellierende Stiefsohn und die kubanische Geliebte. Sie alle verbindet die Fragilität menschlicher Beziehungen und der zerbrochene Amerikanische Traum. Jeder Einzelne ist geprägt von misanthropischer Weltsicht und bedacht auf seinen eigenen Vorteil. Jack Nicholson, der spätestens seit Stanley Kubricks Meisterwerk des Horrors THE SHINING von 1980 für einen unverwechselbar furchteinflößenden, soziopathischen Blick bekannt und berüchtigt ist, macht von seinem Talent auch als Alex Gate Gebrauch. Beinahe schon im Überdruss zieht er seine Augenbrauen hoch und lässt das Publikum erschaudern. Egal, ob er sich selbst eine Kopfwunde näht oder seine Frau zu Boden schlägt, seine Darstellung des Cholerikers mit Hang zur Selbstzerstörung ist auch hier die gleiche wie schon oft zuvor. Als Gates einfach gestrickter Stiefsohn Jason ist Stephen Dorff zu sehen, manchen als Bösewicht aus BLADE ein Begriff. Die kubanische Geliebte, zu welcher sich sowohl Alex Gates, als auch Jason hingezogen fühlen, stellt die Schauspielerin und Sängerin Jennifer Lopez dar. Für ihre Bewegungskünste und den berüchtigten Hüftschwung hat Rafelson extra eine Tanzszene von Lopez und Nicholson eingebaut, welche jedoch unfreiwillig komisch anmutet. Lopez künstlich aufgesetzter kubanischer Akzent in BLOOD AND WINE ist ebenso inkonsequent wie ihre Auswahl guter Filmrollen. Dieses Schicksal teilt sie mit Michael Caine, welcher sichtlich Spaß daran hat hier den aggressiven Gangsterkomplizen Victor mit zurückfrisierten Schmalzlocken und moralischer Vogelfreiheit darzustellen. Blutspuckend und kettenrauchend treibt ihn seine Gier und Gewissenlosigkeit in den Ruin. Caine, einer der talentiertesten Charakterdarsteller seiner Generation, hat viele Filme unterschiedlicher Qualität gedreht. BLOOD AND WINE lässt sich auf dieser Skala wohl irgendwo in der Mitte einordnen. Es fehlt jedoch nicht nur seinem, sondern auch allen anderen Charakteren jegliche Tiefe. Durch sehenswerte Schauspielerei von Nicholson und Caine, sowie den expliziten Gewaltszenen werden die Charaktere zwar nicht vielschichtiger, aber der künstlerische Wert des Films etwas erhöht.

Fazit:
BLOOD AND WINE ist ein austauschbarer Thriller für zwischendurch. Der Film vereint die zerstörten Leben, gescheiterten Existenzen und all die Hoffnung und Hoffnungslosigkeit einer korrupten Gesellschaft, was im Film Noir durchaus zum guten Ton gehört. Gewaltexzesse, Tod und menschliche Abgründe sind seit jeher ständige Begleiter in Bob Rafelos Filmen. Ebenso wie der talentierte Jack Nicholson schon lange für die überzeugendste Psychopathen-Darstellung der Kinogeschichte bekannt ist. Wen diese abtrünnigen Themen jedoch nicht ansprechen, der sollte seine Zeit unterhaltsamer zu nutzen wissen.

BLOOD & WINE auf DVD-Forum.at

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